Mehr Teilzeit für Männer!

Erst, wenn die Teilzeit aus ihrer „Schmuddelecke“ als Beschäftigungsform für schlecht ausgebildete und unterbezahlte Frauen rauskommt (80% der Teilzeitarbeit in D wird von Frauen erledigt), wird sie allgemein akzeptiert sein und keinen Karriereknick mehr darstellen.

Aber wie soll das gehen?

Indem immer mehr Männer sie für sich beanspruchen.

Auf dem langen Weg dorthin ist inzwischen ein weiterer Meilenstein erreicht: Im Januar letzten Jahres (10.01.2013, LAG Köln – 7 Sa 766/12) erging beim Landesgericht Köln ein überaus wichtiges Urteil.

Anders als in der bisherigen Rechtsprechung des BAG verlangt dieses Urteil, dass auch die Beweggründe des Beschäftigten bei einem Teilzeitwunsch berücksichtigt werden müssen. Im konkreten Fall war ein Maschinenführer aus der Elternzeit zurück gekehrt und hatte für seine Schichtarbeit Teilzeit morgens beantragt. Er begründete dies damit, dass seine Frau Vollzeit arbeite, und er sich auch künftig um seine Kinder kümmern wolle.

Schon in erster Instanz (AG Bonn) erhielt der Familienvater Recht, in zweiter ebenso.

Der Hinweis auf die Beweggründe der Antragsteller lässt künftig wohl auch Raum für mögliche andere Gründe – etwa gesundheitlicher Art. Danke, LAG!

Frauen, Führung und Technik – auch ein Thema beim Runterschalten

 

Wieso ist es im Zusammenhang mit dem Thema Runterschalten erwähnenswert, dass gerade zwei Frauen den deutschen Umweltpreis erhalten haben?

Weil das Runterschalten auch vor dem hierzulande noch verbreiteten Rollenverständnis nicht Halt macht. Wer runterschalten will, setzt sich mit seinem Selbstverständnis auseinander und mit den Rollen, die an dieses Selbst geknüpft sind: Hauptbrötchenverdiener? Frau als Hausfrau und Mutter? Frau in „Männerdomäne“ (Management oder Technik)? Mann in „Frauendomäne“ (Pflege/Kommunikation)? Menschen, die neue Wege suchen, überdenken ihre Rollenmuster und erfinden sich und ihr Rollenrepertoire möglicherweise neu.

Die Beispiele der Preisträgerinnen Hock-Heyl und Sladek zeigen, dass es geht: Sie sind erfolgreiche Unternehmerinnen im einem technischen Bereich. Sicher haben die beiden nicht runtergeschaltet, indem sie weniger arbeiten. Aber sie haben sich und ihre Ideen verwirklicht.

Gratulation! Beweglichkeit ist das Ziel.

Unternehmen mit work-life-balance

 

Immer wieder höre ich die Frage – wo gibt es Unternehmen, die auf ihre Angestellten im Sinne einer angemessenen work-life-balance achten?

Hier habe ich schon mehrmals darauf geantwortet: Es gibt sie, diese Firmen, aber man muss einen Moment nach ihnen suchen. Der Automobilzulieferer „Dräxlmaier“ in Niederbayern scheint demnächst auch dazu zu gehören. Dort wird beispielsweise Mehrarbeit grundsätzlich nicht finanziell, sondern mit Freizeit ausgeglichen. Ein Ampelsystem zeigt jedem Mitarbeiter an, wann es „dunkelgelb“ wird für ihn – ab 130 Überstunden nämlich. Außerdem will man demnächst acht Krippenplätze anbieten und arbeitet an einer Betriebsvereinbarung zur Gefährdungsanalyse . Alles kleine Pflastersteine auf dem richtigen Weg zum Ziel.

Was Medien aus dem Thema “Runterschalten” machen

„Weniger ist mehr“ hieß gestern der Themenabend bei ARTE .

Es ging um das alte Wirtschaftsdogma vom ständigen Wachstum, und darum, wie verschiedene Kollektive in Europa es aktiv in Frage stellen. Runterschalten gesellschaftlich, gewissermaßen. Die Beiträge waren durchweg sehenswert und aufschlussreich. Gleichwohl hatten sie für mich als Coach, der Menschen unter anderem beim individuellen Runterschalten begleitet, das altbekannte Geschmäckle: Hier wird wieder das Klischee „Vom Manager zum Viehhirten“  bedient.

Schauen Sie sich allein das Foto zu dem Begleitartikel unter dem o.g. link an: Sie sehen eine Bretterbude mit Namensschild, dahinter eine kleine Butze mit Entlüftung, vermutlich ein Klohäuschen. Mal unter uns gesprochen: Wollen Sie so hausen?  – Ich auch nicht.

Mehr noch, auf mich – und auf viele andere – wirkt das abschreckend. Dabei gibt es viele Beispiele von Menschen, die das „weniger ist mehr“ praktizieren, ohne gleich in Sack und Asche zu leben. Nur ist das natürlich nicht so „medienwirksam“. Schade. Manchmal wäre differenzierter auch mehr.

Schlafprobleme anpacken mit dem “online-Schlaflabor”

 

Sie glauben nicht, wie oft ich von meinen Klienten höre „wenn ich nur mal wieder richtig durchschlafen könnte“…

Gut schlafen und sich gut fühlen hängen zusammen, das weiß jeder. Aber dennoch: Vierundzwanzig Stunden scheinen für all das, was wir in sie hinein packen, zu kurz, und das geht zulasten unserer Erholphasen. Eine Umfrage der BKK zu den Schlafroutinen moderner Berufstätiger hat folgendes ergeben:

Ein Fünftel der befragten Berufs­tätigen beschäftigt sich auch in der letzten halben Stunde vor dem Schlafengehen noch mit berufsbezogenen Tätigkeiten wie dem Schreiben von E-Mails.

Fast jeder zweite Befragte (49 %) leidet mindestens ein bis drei Mal pro Monat an Schlafproblemen, das heißt er wacht vorzeitig auf, oder hat Probleme mit dem Ein- oder Durchschla­fen.

13 Prozent leiden jede oder fast jede Nacht an Schlaf­störungen.

Sollten Sie zu jenen Schlecht-Schläfern gehören, nehmen Sie das bitte ernst. Im Schlaf arbeitet unser Immunsystem auf vollen Touren und wenn wir nicht genug Schlaf haben, leidet die Gesundheit.

Auf dieser Seite  der BKK  können Sie einen „Schlaftest“ machen, der Sie auf die Spur der Ursachen Ihrer Schlafprobleme bringt. Das ist gut zum Vorsondieren, und falls sich gesundheitliche Probleme andeuten, sollten Sie Ihren Arzt darauf gezielt ansprechen.

Arbeit als Religion, filmisch betrachtet

 

Die Annahme, Arbeit sei zur Religion unsrer Zeit geworden, ist nicht eben neu. Schon Max Weber sagte das. In der westlichen Welt gelte Arbeit , so schreibt er, als von Gott vorgeschriebener Selbstzweck des Lebens überhaupt. Wertlos und geradezu verwerflich sei aus diesem Blickwinkel der Müßiggang – „wer rastet, der rostet“, lautet die sprichwörtliche Entsprechung.

Dass dieser moderne Glaube teilweise absurde Züge trägt, wird neuerdings auch gern von Filmemachern thematisiert. Wir erinnern uns an Carmen Losmanns genialen Dokumentarfilm „work hard play hard, in dem die unkommentierte Beobachtung echter Arbeitszenen genügt, damit einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Seit 2. Mai ist nun „Frohes Schaffen – Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral“ von Konstantin Faigle in den Kinos. Auch seine filmische Aufbereitung wird  echte Jünger wohl kaum dazu bringen, vom Glauben abzufallen…

Gesucht: Nachhaltige Unternehmen

 

Oft höre ich von meinen Klienten, dass sie nach Arbeitgebern suchen, die „respektvoll und wertschätzend“ mit ihrem Personal umgehen. Sie meinen damit solche Unternehmen, die auch auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter achten, nachhaltige Unternehmen also.

Seit heute sind sie mit dieser Suche nicht allein.

Die bundesweite Initiative „TOP Gesundheitsmanagement“ hat den „Gesundheitsmanagement-Award 2013 für Deutschlands fittestes Unternehmen“ ausgelobt. Ab jetzt können sich Firmen bewerben, die meinen, mit ihrer Fürsorge für die Gesundheit ihrer Belegschaft punkten zu können.

Glaubt man den Initiatoren, so fehlt ein nachhaltiger Umgang mit der Humanressource noch in zwei Dritteln der Großunternehmen. Im Mittelstand sieht es noch trauriger aus – nur jedes zwanzigstes Unternehmen ist gegenwärtig in dieser Hinsicht engagiert. Das liegt, so meinen die Preisverleiher, meist an fehlendem Wissen darüber, wie ein betriebliches Gesundheitsmanagement umgesetzt wird.

Mehr dazu hier.

Eine gute Nachricht jedenfalls für alle, die runterschalten wollen…

Achtzig Prozent arbeiten, als Mann, geht nicht? Geht doch!

 

Neulich rief ein ehemaliger Klient an. Ein drahtiger Mann besten Alters mit anspruchsvollem Job im Finanzsektor.  Sein Anliegen: Veränderung in Richtung Wohnort. Nicht nur die Arbeit, auch das stete Pendeln von zuhaus  nach Frankfurt nagten an den Reserven.

Nach und nach veränderte er vieles in seinem Leben, auch privat.  Er ging aktiv auf potentielle neue Arbeitgeber zu, auch wenn ihm das Initiativ-Bewerben zunächst nicht ganz koscher vorkam. Er bewarb sich – obwohl die letzten Vorstellungsgespräche „schon ein paar Jährchen her“ waren. Der Mann machte das, was man im Coaching „ die Comfortzone ausdehnen“ nennt: Er betrat Neuland, probierte aus, knüpfte neue Kontakte.

Zugegeben, den neuen Job in seiner Region hat er noch nicht, die Branche dümpelt momentan. Aber seine Stimme am Telefon klang gelöst und lebendig: Er hat nämlich eine für sich passende Zwischenlösung gefunden.  Er arbeitet jetzt nur noch 80 Prozent, jederzeit wieder „aufstockbar“, denn er wird geschätzt im Unternehmen.  Das durchzuboxen, war nicht leicht. Aber mit dem Zusatztag kann er viel anfangen – er will sich ja auch nach wie vor weiter bewerben.

Ich habe ihm gratuliert zu seiner Wendigkeit und Ausdauer. Er gehört nicht zu denen, die sagen, „das geht nicht.“

 Mehr zu dem Thema Männer und Downshifting finden Sie – ausser in meinen Büchern “Runterschalten” und “Downshifting” - im aktuellen SPIEGEL  WISSEN Magazin (Nr. 1 / 2013) mit dem Titel “Einfach leben” .

Letzte Wünsche

 

Immer mal wieder stelle ich in meinen Beratungen die Feenfrage. Sie lautet „Stellen Sie sich vor, ich könnte zaubern, und morgen wäre alles anders – wie wäre es dann?“

Die Antworten darauf sind unterschiedlich, haben aber oft zu tun mit der Fassadenhaftigkeit des Lebens, mit der Furcht davor, eine Maske abzulegen, bzw. mit der Freude, endlich „echt“ sein zu dürfen.

Am Ende eines Lebens wird kein Coach diese Frage mehr stellen. Aber eine australische Palliativ-Pflegerin hat Menschen auf dem Sterbebett gefragt, was sie rückblickend am meisten  bedauern. Entstanden ist ein Buch mit einer Hit-Liste von Wünschen, die ersten vier lauten:

1. “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben”

2. “Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“

3. “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken”

4. “Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten”

Mehr dazu lesen Sie hier.

Übrigens: Wir Lebenden können unser Leben (noch!) gestalten.  Stellen Sie sich doch auch mal die Feenfrage…

Downshifting – demnächst im Kleinformat für Sie

 

„Runterschalten!“ bekommt ein Geschwisterlein: „Downshifting“. Wem „Runterschalten!“ im Zeitalter des Schnell-Lesens zuviel Lektüre ist, der kann Ende Februar zu diesem auch bei Haufe erschienenen Taschenguide greifen: Sie erfahren dort kurz und knackig, welche Gedanken Sie sich machen sollten, wenn Sie downshiften wollen, und wie Sie eine ganz individuelle Lösung für sich hinbekommen können. Außerdem aktuelle Hinweise auf Informationsquellen.

Wenn Sie Ideen oder Fragen dazu haben und sich mit mir und anderen austauschen wollen, kommen Sie doch am 7. März um 17:30 Uhr zu Hugendubel Frankfurt/Steinweg:

Ich bin da und freue mich auf Sie!