SPIEGEL online über das Runterschalten

 

Immer wieder werde ich nach Rezepten fürs Runterschalten gefragt werde immer wieder sage ich, es gibt keine. Für all jene, die zu faul oder zu beschäftigt sind, mein Buch zu lesen und doch „einen Einblick haben“ möchten, habe ich jetzt eine gute Empfehlung:

Lesen Sie den aktuellen Artikel bei Spiegel online über den Fall einer Steuerfachwirtin, die schrittweise runtergeschaltet hat. Da sieht man sehr schön, dass das Downshiften, wie es international heißt, ein ganz individueller Prozess ist, für das ein „one-for-all-Rezept“ einfach nicht taugen kann. Jeder macht es eben anders, für sich passend.

Runterschalten mit Teilzeit – auch für Männer

Es tut sich was in Deutschland – langsam zwar, aber immerhin. Immer mehr Entscheidungsträger in großen Konzernen scheinen zu begreifen, dass der „competence drain“ durch burnout ein echtes Problem darstellt.

Neuerdings bietet die Telekom Teilzeitarbeit für ihren Managernachwuchs an, näheres dazu hier.  Momentan arbeiten dort etwa 20 Manager in Teilzeit, weitere 70 bis 80 Interessierte sind angemeldet, überwiegend Männer. Dass sie dafür – wie auch in meinem Buch „Runterschalten“ beschrieben -  mitunter von den Kollegen schräg angeschaut werden, nehmen sie in Kauf.

Ein kleiner Schritt, um endlich der Teilzeit das Gschmäckle von billiger Frauenarbeit zu nehmen. Aber wie sagte der kürzlich verstorbene Neil Armstrong? „Ein kleiner Schritt für einen Menschen…“

Pendeln auf Kredit: Was Arbeitsflexibilität für den Einzelnen bedeutet

„Sie glauben gar nicht, wie mir dieses ewige Hin-, und Herpendeln zwischen Arbeit und Zuhause auf den Nerv geht…“ Das und den ausdrücklichen Wunsch, „wenig Reisen im nächsten Job“ höre ich oft in meinen Beratungen.

Dass Pendeln nicht nur auf den Nerv, sondern auch auf Kosten von Gesundheit, Freundschaften und Lebensgefühl geht (man nennt es auch ” work-life-balance”) , beschreibt der Hamburger Journalist Martin Tschechne in diesem lesenswerten Artikel bei Deutschlandradio  Kultur.

Burn-out ranking für deutsche Firmen in managerMagazin

 

Hat dieses Unternehmen das Potential, mich in den burnout zu treiben? Diese Frage stellen sich unausgesprochen vermutlich schon viele Bewerber.

Das aktuelle managerMagazin mag helfen, schon in der Bewerbungsphase dieses Gefahrenpotential zu erkennen. Es präsentiert eine Untersuchung von Asklepios, einer privaten Klinikkette, die aufgrund ihrer stationären Patienten auf die burnout-Tendenz in deutschen Unternehmen geschlossen hat. Gelistet sind dreißig deutsche Dax-Konzerne und die geschätzte Anzahl ihrer Burnout-Fälle. Darüber hinaus geht es um die Haltung deutscher Unternehmen gegenüber dieser Gefahr – sie variiert von unbeteiligtem Wegschauen (Deutsche Bank) bis zur Erprobung diverser Maßnahmen im internen Gesundheitsmanagement (Telekom). Wobei zu fragen ist, ob das Herumfuhrwerken von Firmen in „Psycho-Daten“ von Angestellten nicht anderen Zielen dient und an der Ursache – chronischem Personalmangel – vorbei geht.

Der Artikel ist lesenswert, denn er markiert  das Umdenken, das in Zusammenhang mit dieser Thematik dringend erforderlich ist.

Fremdbestimmtes Arbeiten macht krank, sagt auch Bundesarbeitsministerium

 

Der „Tag der Arbeit“ naht, und die Nachricht des Tages wiederholt einmal wieder, was eigentlich alle längst wissen: Eine Statistik des Bundesministeriums für Arbeit bestätige, dass immer mehr psychische Erkrankungen zu Frühverrentungen führten. Schon im Herbst vorigen Jahres hat das Ärzteblatt ähnliches berichtet. Als Gründe dafür wird einerseits eine auch bei Ärzten – endlich! – gestiegene Bewusstheit für die seelische Verfassung von Patienten gesehen und andererseits die „gestiegene Fremdbestimmung“ in der Arbeitswelt.

 Haben die Autoren mein Buch „Runterschalten“ gelesen? -Meine Rede! Aber ob’s was nützt…?

Einen erholsamen Tag der Arbeit wünscht Ihnen Ihre Runterschalten-Autorin  Wiebke Sponagel

“Selber denken,” sagt auch Heiner Geißler!

 

Wunderbar, dachte ich, als ich davon hörte – der Mann kann, ohne vom Verlag eingebremst zu werden, einen Titel benutzen, den „kein Mensch“ versteht: „Sapere aude!“ so heißt das neue Buch von Heiner Geißler. Einer wie er, der darf das, hat er doch längst das Etikett „Querdenker“ verpasst gekriegt. Im Mittelalter war das der Hofnarr.

Nachdem ich mich also bei Wiki  darüber schlau gemacht habe, was „Sapere aude“ bedeutet, freue ich mich um so mehr und reiche Herrn Geißler symbolisch über seinen reich gedeckten Büchertisch hinweg die Hand: „Selber denken ist der Schlüssel zum Runterschalten,“ das schreibe ich nämlich auch!

Wir stellen uns also beide hin und rufen „Leute, wagt es, selbst zu denken“, in einer Zeit, in der das Denken und Fühlen längst ausgelagert ist  an „Think Tanks“. In einer Zeit, in der das Selber Denken in Unternehmen gar nicht goutiert und noch weniger gefördert wird. Aber macht nix, es muss ja mal gesagt werden. Und  ach jaaa, tut doch gut, so ein symbolischer Schulterschluss…:-)

Kinotipp: “Work hard, play hard” – ohne work-life balance

 

Gläserne Bürotürme, in denen sich Bewerber beim Jobinterview sichtbar verbiegen. Führungskräfte, die vorgeben, für noch mehr Leistung die DNA ihrer Mitarbeiter verändern zu wollen. Trainer, für die Mitarbeiter entweder nur high oder low Performer sind… das zeigt der preisgekrönte Dokumentarfilm „Work hard, play hard“ von Carmen Losmann, der ab 12. April in den Kinos läuft.

Für Menschen, die runterschalten wollen, ist dieses Porträt unsrer schönen, antiseptischen Arbeitswelt sicher ein zusätzlicher Anreiz. Mehr Informationen bei hr online, Hauptsache Kultur.

Ist “Runterschalten” chic zur Fastenzeit?

Fastenzeit, die Zeit des „weniger ist mehr“ hat begonnen: Weniger Fleisch und Fleischeslust, mehr Besinnung. Klar, dass sich die evangelisch-asketische Seite der Christengemeinschaft von derlei Themen besonders angesprochen fühlt. Kürzlich durfte ich zu protestantisch motivierten Kontemplationen über das Aussteigen und Besinnen beitragen: Link zum Artikel  ”Fastenzeit:Aussteigen – Besinnen” /Landeskirche Hannover

Aufrufe zum „Innehalten“ sind chic zur Fastenzeit und wenn wir in derlei Artikeln lesen, Leute arbeitet weniger, wundert das erst mal keinen. Schade. Vergessen scheint, dass es schließlich die emsigen Puritaner waren, die den Weg zu Effizienz und „wirtschaftlichem Arbeiten“ geebnet haben. Verpflichtet der Protestantismus doch jeden Einzelnen zum Ruhme Gottes Besitztum zu erhalten und durch rastlose Arbeit zu vermehren. Aber vielleicht ist sich der reformierte Protestant ja solcher Widersprüche bewusst und findet trotzdem einen Zugang zum Runterschalten?

Ärzte ohne Grenzen – ohne Leistungsgrenzen?

Bei manchen Jobs ist die chronische Überlastung schon ins Berufsbild implantiert, scheint es. Die Überlastung ist „normal“ geworden und dennoch wird höchste Qualität erwartet – so jedenfalls geht es Ärzten, besonders den jungen. Schon vor 11 Jahren stand im Schlussprotokoll der 104. deutschen Ärztetags in Ludwigshafen zu lesen:

Die Situation junger Ärztinnen und Ärzte in den deutschen Krankenhäusern ist bedrückend  [...] Auf Grund der Angst vor dem Verlust des Arbeits- und Weiterbildungsplatzes oder vor gravierenden Nachteilen für die berufliche Zukunft lehnen sich betroffene Ärztinnen und Ärzte kaum gegen diese Ausbeutung auf. Klaglos wird hingenommen, dass eine Unzahl von Überstunden vielfach weder bezahlt noch durch Freizeit ausgeglichen wird. Als Folge der Angst vor Repressalien werden oft sechzig bis siebzig Arbeitsstunden in der Woche stillschweigend geduldet. Muss jeder LKW-Fahrer vor Antritt einer Fahrt eine Tachoscheibe einlegen und mit Bestrafung rechnen, wenn vorgeschriebene Lenkzeiten und Ruhepausen nicht eingehalten werden, werden von den Verantwortlichen im Krankenhaus arbeitszeitrechtliche Vorschriften gerade dort mit Füßen getreten, wo durch Stress und Müdigkeit die Versorgung und Betreuung der Patienten gefährdet werden können – nämlich bei den jungen Krankenhausärztinnen und -ärzten. So hat eine Studie ergeben, dass das Reaktionsvermögen eines Arztes nach ununterbrochener Arbeitszeit von 24 Stunden dem eines Autofahrers mit einem Blutalkohol-Spiegel von einem Promille entspricht. Wer aber möchte sich schon von einem “Angetrunkenen” operieren lassen?“

Deutliche Worte, und offenbar hat sich seither nichts geändert.

Durch meine Klienten habe ich schon hinter die Kulissen von so manchem Unternehmen blicken können.  Nie kam mir so das kalte Grausen wie bei den Berichten von Fachärzten aus Kliniken. Mal abgesehen von den immer schlimmer werdenden strukturellen Problemen herrscht seitens der leitenden Ärzte oft eine Art Kasernenton vor. Unbedingter Gehorsam ist gefordert. Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit gelten als k.o.-Kriterium für die Karriere. Wer sich eine OP nicht zutraut, weil er vielleicht noch nicht die Erfahrungswerte hat, wird zu Putzdiensten abkommandiert.

Es ist ja bekannt, dass Ärzte berufsbedingt weniger Empathie haben als andere Berufsgruppen. Sonst könnten sie ihren Job wohl nicht machen. Aber dass Menschen und besonders junge Kollegen so etwas nicht Operables wie natürliche Leistungsgrenzen haben, sollte sich in diesen Kreisen vielleicht doch mal rumsprechen.

Selbständig oder angestellt? Zufrieden oder unzufrieden?

Die meisten Deutschen suchen Beschäftigung im Angestelltenverhältnis. Sich selbständig zu machen, ist hierzulande wenig populär, wir rangieren in dieser Hinsicht im unteren Drittel in Europa. Dennoch, wer  seinem Leben nach jahrelanger Berufstätigkeit noch mal  eine neue Wendung geben oder gar runterschalten will, hat meist auch eine selbständige Tätigkeit im Blick.  Vielleicht motiviert da,  was Psychologinnen von der Uni Hamburg heraus gefunden haben: Obwohl Selbständige überwiegend mehr arbeiten und weniger verdienten als vergleichbare Angestellte, sind sie mit ihrer Arbeit meist deutlich zufriedener.

 Mehr dazu lesen Sie in „Wirtschaftspsychologie 4/2011“:G. Cholotta, S. Drobnic: Was macht Selbständige zufrieden?”