Rubrik ‘die Sinnfrage’

Selbständig oder angestellt? Zufrieden oder unzufrieden?

03. Feb 2012

Die meisten Deutschen suchen Beschäftigung im Angestelltenverhältnis. Sich selbständig zu machen, ist hierzulande wenig populär, wir rangieren in dieser Hinsicht im unteren Drittel in Europa. Dennoch, wer  seinem Leben nach jahrelanger Berufstätigkeit noch mal  eine neue Wendung geben oder gar runterschalten will, hat meist auch eine selbständige Tätigkeit im Blick.  Vielleicht motiviert da,  was Psychologinnen von der Uni Hamburg heraus gefunden haben: Obwohl Selbständige überwiegend mehr arbeiten und weniger verdienten als vergleichbare Angestellte, sind sie mit ihrer Arbeit meist deutlich zufriedener.

 Mehr dazu lesen Sie in „Wirtschaftspsychologie 4/2011“:G. Cholotta, S. Drobnic: Was macht Selbständige zufrieden?”

Neuer Ratgeber über work-life-balance von ZEIT Wissen Ratgeber

08. Okt 2011

 

Zum Glücklichsein will man uns schon nicht mehr anleiten, aber doch zum besseren Leben. So jedenfalls lautet der Titel des aktuellen „Zeit Wissen Ratgebers“. Das 120 Seiten starke Magazin bietet unter den Überschriften Arbeiten, Leben und Service einen gelungenen Überblick zu vielen Fragen, die dem modernen Sinnsucher unter den Nägeln brennen, etwa:

Was kann eine berufliche Neuorientierung mir bringen? Wie vereinbare ich Kinder und Karriere? Darf ich auch mal nichts tun? Wie schütze ich mich vor zuviel Stress bzw. burnout?

Dazu gibt es im Serviceteil Wissenswertes zu arbeitsrechtlichen Inhalten, über Perfektionismus, Medizin und Psychologie. Empfehlenswert.

Krank im und am Herzen: Typisch für Manager?

16. Jun 2011

Ein Leser von „Runterschalten!“ hat hier einen Kommentar veröffentlicht, der unter anderem von seiner Herzkrankheit berichtet und mir zu Herzen gegangen ist. Er schreibt: „Der Manager opfert in der ersten Hälfte seines Berufslebens seine Gesundheit, um viel Geld zu verdienen, damit er es in der zweiten Hälfte ausgibt, um seine Gesundheit wieder zu erlangen. Wie doof ist das denn?“

Ich habe mich dann mal mit dem Begriff „Managerkrankheit“ auf die Suche gemacht – kaum zu glauben, was man da alles findet. Von dubiosen Einträgen über eine „Gefühlsblindheit“ genannte Störung bis zu den erwartbaren Berichten über Krankheiten des Herz-, Kreislaufsystems war alles zu haben. Gemeinsamer Nenner: Das Herz, als Hort der Gefühle und als Lebenspumpe.

Besonders aufschlussreich fand ich diese Trouvaille bei Spiegel online  . Ein Artikel aus dem Jahr 1950 (!), der auf frühe Behandlungsansätze für Manager in den USA abhebt. Politisch völlig unkorrekt ( die political correctness hat man da ja erst in den frühen 90ern erfunden) heißt es da:

Bei näherer Untersuchung erweise sich jedoch oft, daß “seelische Unreife” der Grund für den anormalen Arbeitseifer dieser freiwilligen Ueberstundenarbeiter sei. “Obwohl sie schon längst eine leitende Position erhalten hatten, benahmen sie sich noch immer wie strebsame Schuljungen, die für ihren selbstzerstörerischen ‘Fleiß’ Lob und Befriedigung erwarteten. Ein verarmtes Innenleben und das fehlende Privatleben konnten ihnen das aber nicht bieten.”

So ganz und gar unbeeindruckt von ihrem Status über die Helden der modernen Leistungsgesellschaft zu reden, traut sich heute kaum einer mehr. Aber auch hier geht es wieder um das „verarmte Innenleben“, das der Mensch heutiger Zeit im Herzen verortet. Das war übrigens nicht immer so. Im Mittelalter und in der biblischen Körpersymbolik bis heute ist das Herz Sitz des Verstandes, des Entscheidens und Planens – all jener Fähigkeiten also, die Managern gern in besonderem Mass zugeschrieben werden…

 Und bleibe bei dem, was dir dein Herz rät;

denn du wirst keinen treueren Ratgeber finden.

Denn mit seinem Herzen kann ein Mann oft mehr erkennen,

als sieben Wächter, die oben auf der Warte sitzen.

(Sirach 37, 17-18)

 

Was sagt uns das? – Männer und Manager, achtet auf Euch und auf Euer Herz…!

Echo auf meinen Artikel übers Runterschalten in der FAZ vom 26.5.d.J.

31. Mai 2011

 

„Ich habe Ihren Artikel in der FAZ gelesen…“ so fingen in den letzten Tagen einige Anrufe bei mir an. Es waren durchweg erfreuliche Echos, die mich so erreichten – Menschen, die meine in der FAZ  beschriebenen Beobachtungen teilten und ähnliche Erfahrungen gemacht hatten.

Falls Sie den Artikel nicht kennen, bittesehr: (Bildung und Karriere_Seite 4).

Über eine Rückmeldung habe ich mich besonders gefreut, hier nachzulesen. Da beschreibt einer, dem man anmerkt, dass er weiß, wovon er spricht, wie er zum Runterschalten kam:  Gerade für einen Familienvater und überzeugten IT-ler wie ihn sei das nicht leicht gewesen. Aber die Sinnfrage stellt sich eben, ob man will oder nicht . Und Runterschalten sei wirklich kein Spaziergang. Aber der Gewinn danach sei die Mühe wert.

 … kommt uns doch irgendwie bekannt vor, oder? Ich finde, das sollte sich weiter rumsprechen!

Die andere Seite der Medaille – rohes Bürgertum?

05. Apr 2011

Eine Medaille hat immer zwei Seiten, heißt es. Die eine ist der burnout und ähnliche Ausfallerscheinungen: Gerade melden wieder einige Nachrichtenhändler,  das Erschöpfungs-Syndrom sei nach  Einschätzung der Gewerkschaft Verdi auf dem Vormarsch, jeder vierte im Bankenbereich leide darunter. Die andere Art, auf Leistungsdruck im Beruf und gefühlte Sinnlosigkeit zu reagieren, ist die Umkehr nach Außen, in Form von Aggression.

Wut und aufgestaute, sich unvermittelt entladende Frustrationen haben viele Gesichter: Marodierende Jugendbanden, anonyme Müllberge an sogenannten sozialen Brennpunkten. Mobbing an Schulen und in Unternehmen. Rowdietum und Regelbruch im Straßenverkehr. Die automobile Menschheit rüstet auf, der gefragteste Autotyp ist der SUV und seine Abkömminge: Eine Trutzburg auf Rädern, bestens geeignet, sich „den Weg frei“ zu fahren und von oben auf andere herab zu schauen.

Die Sozialwissenschaft hat für diese Entwicklungen neue Bezeichnungen gefunden. Es sei eine bestimmte Gesellschaftsschicht, von der diese Art von Menschenfeindlichkeit ausgehe, sagt Prof. Wilhelm Heitmeyer vom Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konfliktforschung. Er nennt sie „rohes Bürgertum“.  Passenderweise ist ein Artikel in der Süddeutschen  dazu mit gelegentlich erscheinender Burger-Werbung illustriert…  ob das  auch rohe Burger sind?

Aber Scherz beiseite:  Wenn man da weiterdenkt, vergeht einem das Lachen.  Da helfen nur ganz gezielte Immunisierungs-Strategien. Oder kollektives Runterschalten.

Fastenzeit, mehr vom Weniger: Auch weniger Arbeit?

09. Mrz 2011

Aschermittwoch, Fastenzeit. Auch wenn Sie heute kein Aschekreuz auf der Stirn tragen, liegen jetzt Ideen in der Luft, die ein „weniger ist mehr“ propagieren. Heilfasten in jeglicher Hinsicht – weniger Essen, weniger konsumieren, weniger arbeiten?

Eine offener Widerspruch aus kirchlicher Sicht. Kirchen, und gerade die evangelische bzw. puritanische Richtung, verbreiten ja das Motto „Bete und Arbeite!“ – im Land des Puritanismus wurde der workaholism schließlich erfunden. Aber Widersprüche sind unser täglich Brot und wir haben gelernt, mit ihnen umzugehen. Aus rein pragmatischer Sicht ist offensichtlich: Wer weniger isst, sollte auch weniger arbeiten – sonst haut es ihn oder sie  aus den Latschen.

Aber vielleicht lassen solche Fragen Sie auch kalt und Sie merken an ganz anderer Stelle, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt ist, runter zu schalten: Weil Sie Ihre Familie und Freunde kaum mehr sehen, vielleicht. Weil Sie unter Schlafstörungen leiden und sich nicht mehr konzentrieren können. Weil Sie ein Fassadenleben führen. Oder weil Sie sich die Frage nach dem Sinn Ihrer Arbeit stellen und nach dem, was Sie wirklich wollen.  Bleiben Sie dran, an diesen Fragen!

Die Sinnfrage – Motivator fürs Runterschalten

21. Jan 2011

 

„Das hat doch keinen Sinn“, höre ich immer wieder von Klienten, die runterschalten wollen.  Sie sehen sich als Rädchen im Getriebe, das zwar effektiv dazu beiträgt, mehr Gewinn zu erwirtschaften, aber genau darin finden sie keinen Sinn für sich selbst mehr. Die Nachfrage nach sinnvoller Arbeit und sinnerfülltem Leben steigt – Gewinnoptimierung und Effizienz interessieren immer weniger. Auch im Land der Effizienz-Erfinder ist dieser Trend angekommen – lesen Sie dazu das Interview mit Daniel H Pink über neue Formen der Arbeit in brandeins. Oder lesen Sie mein Kapitel „Stopp – die Sinnfrage“ und machen Sie sich auf die Suche nach dem, was für Sie selbst wirklich wichtig ist.