Rubrik ‘Krisenbewältigung’

Was passiert, wenn die Wirtschaft runterschaltet?

20. Sep 2011

 

Die Anzeichen mehren sich: Eine neue Rezession ist in Sicht. Unsere stark exportorientierte Wirtschaft wird runterschalten. Ein System muss Tempo drosseln, und die Freude darüber hält sich in Grenzen – denn nach dem Dafürhalten der System-Repräsentanten ist stetes Wachstum nötig.

Der Frage, ob das ständige Wachstum wirklich für uns Erdenbürger wünschenswert ist, widmet sich ein lesenswerter Artikel von Wolfgang Uchatius  aus dem Jahr 2009. Ganz klar ist er in Bezug auf die Bedürfnisse des Einzelnen:

Selbst wenn sich die Durchschnitts-Meyers all diese Dinge kaufen könnten, wären sie nicht zufriedener als zuvor. Diese Vermutung ist aus Dutzenden von Studien der sogenannten Glücksforschung so gut abgesichert, dass sie schon eine Gewissheit ist. In diesen Untersuchungen haben Wissenschaftler die Zufriedenheit von Menschen gemessen und sie in Bezug zum Wirtschaftswachstum gesetzt. Sie kamen zum Ergebnis: Wachstum macht tatsächlich glücklich, aber nur, wenn man sehr wenig besitzt, wenn es um die ersten großen Sprünge geht. Auto statt Fahrrad, Wohnung statt WG-Zimmer, Waschmaschine statt Waschsalon. Ab einem gewissen Niveau hebt das Wirtschaftswachstum die Zufriedenheit nicht mehr.

Soweit, so gut  – wenn Sie mein Buch „Runterschalten!“ kennen, werden Ihnen solche Erkenntnisse nicht neu sein.  Was aber, wenn  die Wirtschaft runterschaltet? Ist das (mal wieder!) das Ende unseres irdischen Glücks?

Im besagten Artikel blitzen Begriffe wie „glückliche Stagnation“  und „Nachhaltigkeit“ auf,  weniger bekannte Wirtschaftskonzepte ohne „eingebauten“ Zuwachs werden vorgestellt. Nur weil wir diese Ideen noch nicht kennen, müssen sie ja nicht unpraktikabel sein, folgert der Autor mit Hinweis auf den von Leonardo vor 400 Jahren erfundenen und erst im letzten Jahrhundert gebauten Hubschrauber.

Recht hat er. Ob wir nun als Gesellschaft oder als Einzelner runterschalten, wir sollten „lateral“ denken (lernen), für neue Ideen offen sein. Dass wir  wieder 400 Jahre Zeit dafür haben, bezweifle ich allerdings….

Erste Reaktionen auf “Runterschalten!”, das Buch zum Downshifting

16. Mrz 2011

Endlich, endlich! Jetzt erreichen mich die ersten Reaktionen zu meinem Buch – ich gebe zu, darauf habe ich ungeduldig gewartet. Die ersten Besprechungen trudeln ein, bei Internet-Buchhandlungen und auf Leseblogs. Mit Erstaunen stelle ich fest: Jede/r Leser/in hat einen anderen Blickwinkel auf mein Buch und pickt sich eigene Rosinen raus. Ein Leser ist Segler, er freut sich über die Seefahrt-Metapher und wie weit sie trägt. Ein anderer erzählt mir in seiner mail von seinen Lebenskrisen und wie er es geschafft hat, sie zu meistern. Eine Leserin kritisiert, dass ich zuwenig über berufstätige Mütter und ihre Situation schreibe. Ein Geschäftsführer berichtet mir von seinem burnout im vergangenen Jahr, und bestätigt meine Sichtweise, dass in Unternehmen in dieser Hinsicht viel falsch gemacht wird. In seiner Firma will er das ändern. Ausserdem kündigt er an, dass er darüber auch ein Buch schreiben will.

Ist das nicht klasse? Ich freue mich sehr über Ihre Rückmeldungen, liebe Leser, und über die Tatsache, dass Sie offenbar etwas ganz eigenes, Ansprechendes in meinem Buch finden.  Ich warte noch ein bisschen und werde – mit Ihrem Einverständnis natürlich – Ihre Kritiken und Anregungen demnächst hier zugänglich machen.

Krisen bewältigen – mit Schiffbruch-Kompetenz!

28. Jan 2011

Menschen, die Rückschläge gut verarbeiten, nennt man landläufig „Stehaufmännchen“, in Soziologie und Psychologie spricht man von Resilienz als der Fähigkeit, Krisen ohne anhaltende Beeinträchtigungen zu meistern. In meinem Buch „Runterschalten!“ heisst das einfach „Schiffbruch-Kompetenz“. Diese Fähigkeit finden Sie in keinem Anforderungsprofil von Personalern – und doch ist sie lebenswichtig.

Erfolge feiert man mit Freunden, Schiffbrüche durchsteht man erst mal mit sich selbst.  Rückzug ist eine verständliche erste Reaktion, aber wer sich mit seinem Schiffbruch raus traut, ihn mit Freunden oder anderen Schiffbruch-Kompetenten betrachtet, macht den ersten Schritt zur Verarbeitung. Denn Reden ist nicht alles, aber ein guter Anfang:  Es entlastet, Gedanken klären sich und der Schiffbruch wird dabei zu (einer) Geschichte. Er wird Vergangenheit, dabei kann die Wunde vernarben, und ausserdem wird man hören, so banal das ist, dass viele schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das Ereignis wird sich relativieren. Und wenn Sie ein wahrer Schiffbruchkünstler sind, werden Sie in der Lage sein, die versteckte Botschaft Ihres Schiffbruchs zu erkennen.  Denn jeder Schiffbruch will dem Schiffbrüchigen etwas sagen. Wer diese Botschaft versteht, wird den Schiffbruch meistern und kann zu neuen Ufern aufbrechen. Mehr dazu lesen Sie in meinen Kapiteln über die Schiffbruch-Kompetenz.