Rubrik ‘Leistungsdruck im Beruf’

Gesucht: Nachhaltige Unternehmen

25. Apr 2013

 

Oft höre ich von meinen Klienten, dass sie nach Arbeitgebern suchen, die „respektvoll und wertschätzend“ mit ihrem Personal umgehen. Sie meinen damit solche Unternehmen, die auch auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter achten, nachhaltige Unternehmen also.

Seit heute sind sie mit dieser Suche nicht allein.

Die bundesweite Initiative „TOP Gesundheitsmanagement“ hat den „Gesundheitsmanagement-Award 2013 für Deutschlands fittestes Unternehmen“ ausgelobt. Ab jetzt können sich Firmen bewerben, die meinen, mit ihrer Fürsorge für die Gesundheit ihrer Belegschaft punkten zu können.

Glaubt man den Initiatoren, so fehlt ein nachhaltiger Umgang mit der Humanressource noch in zwei Dritteln der Großunternehmen. Im Mittelstand sieht es noch trauriger aus – nur jedes zwanzigstes Unternehmen ist gegenwärtig in dieser Hinsicht engagiert. Das liegt, so meinen die Preisverleiher, meist an fehlendem Wissen darüber, wie ein betriebliches Gesundheitsmanagement umgesetzt wird.

Mehr dazu hier.

Eine gute Nachricht jedenfalls für alle, die runterschalten wollen…

Pendeln auf Kredit: Was Arbeitsflexibilität für den Einzelnen bedeutet

28. Aug 2012

„Sie glauben gar nicht, wie mir dieses ewige Hin-, und Herpendeln zwischen Arbeit und Zuhause auf den Nerv geht…“ Das und den ausdrücklichen Wunsch, „wenig Reisen im nächsten Job“ höre ich oft in meinen Beratungen.

Dass Pendeln nicht nur auf den Nerv, sondern auch auf Kosten von Gesundheit, Freundschaften und Lebensgefühl geht (man nennt es auch ” work-life-balance”) , beschreibt der Hamburger Journalist Martin Tschechne in diesem lesenswerten Artikel bei Deutschlandradio  Kultur.

Burn-out ranking für deutsche Firmen in managerMagazin

15. Jun 2012

 

Hat dieses Unternehmen das Potential, mich in den burnout zu treiben? Diese Frage stellen sich unausgesprochen vermutlich schon viele Bewerber.

Das aktuelle managerMagazin mag helfen, schon in der Bewerbungsphase dieses Gefahrenpotential zu erkennen. Es präsentiert eine Untersuchung von Asklepios, einer privaten Klinikkette, die aufgrund ihrer stationären Patienten auf die burnout-Tendenz in deutschen Unternehmen geschlossen hat. Gelistet sind dreißig deutsche Dax-Konzerne und die geschätzte Anzahl ihrer Burnout-Fälle. Darüber hinaus geht es um die Haltung deutscher Unternehmen gegenüber dieser Gefahr – sie variiert von unbeteiligtem Wegschauen (Deutsche Bank) bis zur Erprobung diverser Maßnahmen im internen Gesundheitsmanagement (Telekom). Wobei zu fragen ist, ob das Herumfuhrwerken von Firmen in „Psycho-Daten“ von Angestellten nicht anderen Zielen dient und an der Ursache – chronischem Personalmangel – vorbei geht.

Der Artikel ist lesenswert, denn er markiert  das Umdenken, das in Zusammenhang mit dieser Thematik dringend erforderlich ist.

Fremdbestimmtes Arbeiten macht krank, sagt auch Bundesarbeitsministerium

30. Apr 2012

 

Der „Tag der Arbeit“ naht, und die Nachricht des Tages wiederholt einmal wieder, was eigentlich alle längst wissen: Eine Statistik des Bundesministeriums für Arbeit bestätige, dass immer mehr psychische Erkrankungen zu Frühverrentungen führten. Schon im Herbst vorigen Jahres hat das Ärzteblatt ähnliches berichtet. Als Gründe dafür wird einerseits eine auch bei Ärzten – endlich! – gestiegene Bewusstheit für die seelische Verfassung von Patienten gesehen und andererseits die „gestiegene Fremdbestimmung“ in der Arbeitswelt.

 Haben die Autoren mein Buch „Runterschalten“ gelesen? -Meine Rede! Aber ob’s was nützt…?

Einen erholsamen Tag der Arbeit wünscht Ihnen Ihre Runterschalten-Autorin  Wiebke Sponagel

Kinotipp: “Work hard, play hard” – ohne work-life balance

13. Apr 2012

 

Gläserne Bürotürme, in denen sich Bewerber beim Jobinterview sichtbar verbiegen. Führungskräfte, die vorgeben, für noch mehr Leistung die DNA ihrer Mitarbeiter verändern zu wollen. Trainer, für die Mitarbeiter entweder nur high oder low Performer sind… das zeigt der preisgekrönte Dokumentarfilm „Work hard, play hard“ von Carmen Losmann, der ab 12. April in den Kinos läuft.

Für Menschen, die runterschalten wollen, ist dieses Porträt unsrer schönen, antiseptischen Arbeitswelt sicher ein zusätzlicher Anreiz. Mehr Informationen bei hr online, Hauptsache Kultur.

Ärzte ohne Grenzen – ohne Leistungsgrenzen?

18. Feb 2012

Bei manchen Jobs ist die chronische Überlastung schon ins Berufsbild implantiert, scheint es. Die Überlastung ist „normal“ geworden und dennoch wird höchste Qualität erwartet – so jedenfalls geht es Ärzten, besonders den jungen. Schon vor 11 Jahren stand im Schlussprotokoll der 104. deutschen Ärztetags in Ludwigshafen zu lesen:

Die Situation junger Ärztinnen und Ärzte in den deutschen Krankenhäusern ist bedrückend  [...] Auf Grund der Angst vor dem Verlust des Arbeits- und Weiterbildungsplatzes oder vor gravierenden Nachteilen für die berufliche Zukunft lehnen sich betroffene Ärztinnen und Ärzte kaum gegen diese Ausbeutung auf. Klaglos wird hingenommen, dass eine Unzahl von Überstunden vielfach weder bezahlt noch durch Freizeit ausgeglichen wird. Als Folge der Angst vor Repressalien werden oft sechzig bis siebzig Arbeitsstunden in der Woche stillschweigend geduldet. Muss jeder LKW-Fahrer vor Antritt einer Fahrt eine Tachoscheibe einlegen und mit Bestrafung rechnen, wenn vorgeschriebene Lenkzeiten und Ruhepausen nicht eingehalten werden, werden von den Verantwortlichen im Krankenhaus arbeitszeitrechtliche Vorschriften gerade dort mit Füßen getreten, wo durch Stress und Müdigkeit die Versorgung und Betreuung der Patienten gefährdet werden können – nämlich bei den jungen Krankenhausärztinnen und -ärzten. So hat eine Studie ergeben, dass das Reaktionsvermögen eines Arztes nach ununterbrochener Arbeitszeit von 24 Stunden dem eines Autofahrers mit einem Blutalkohol-Spiegel von einem Promille entspricht. Wer aber möchte sich schon von einem “Angetrunkenen” operieren lassen?“

Deutliche Worte, und offenbar hat sich seither nichts geändert.

Durch meine Klienten habe ich schon hinter die Kulissen von so manchem Unternehmen blicken können.  Nie kam mir so das kalte Grausen wie bei den Berichten von Fachärzten aus Kliniken. Mal abgesehen von den immer schlimmer werdenden strukturellen Problemen herrscht seitens der leitenden Ärzte oft eine Art Kasernenton vor. Unbedingter Gehorsam ist gefordert. Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit gelten als k.o.-Kriterium für die Karriere. Wer sich eine OP nicht zutraut, weil er vielleicht noch nicht die Erfahrungswerte hat, wird zu Putzdiensten abkommandiert.

Es ist ja bekannt, dass Ärzte berufsbedingt weniger Empathie haben als andere Berufsgruppen. Sonst könnten sie ihren Job wohl nicht machen. Aber dass Menschen und besonders junge Kollegen so etwas nicht Operables wie natürliche Leistungsgrenzen haben, sollte sich in diesen Kreisen vielleicht doch mal rumsprechen.

Neue Erkenntnisse zu work-life-balance

22. Nov 2011

Was weiß man eigentlich aus wissenschaftlicher Sicht zum Thema work-life-balance, werde ich oft von Journalisten gefragt.

Glücklicherweise ist das ja inzwischen ein reiches Feld für sozialwissenschaftliche Studien. Seit August 2009 läuft beispielsweise u.a. am Institut für sozialwissenschaftliche Forschung in München das Projekt „LANCEO“, bei dem es um das Verhältnis von Anforderungen und Ressourcen bei der Arbeit geht. Liest man die inzwischen erschienene Trendanalyse, so ist es mit  der viel beschworenen work-life-balance nicht weit her. Interessant auch die sogenannten „Daten und Fakten“,  die man auf den Lanceo-Seiten herunter laden kann.

An Erkenntnissen über die mangelnde work-life-balance fehlt es also nicht, schön wär’s, wenn sie mal in Unternehmen umgesetzt werden würden…

Burnout überall, auch im Spiegel.

03. Aug 2011

Im April diesen Jahres machte das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ mit dem Thema „Burnout“ auf.  Das Titelbild zeigte wahlweise einen männlichen oder eine weibliche Burnout-Kandidat/in im Spiegel-Kasten eingekerkert.

Gerade drei Monate später kam im Juli, also gerade noch erinnerbar für alle im Hamsterrad, der neue Titel über Burnout-Prävention. Und logisch: Da waren die Titelfrauen bzw -. Männer am Herauskrabbeln aus dem Kasten.

Mehr dazu hier.

Krank im und am Herzen: Typisch für Manager?

16. Jun 2011

Ein Leser von „Runterschalten!“ hat hier einen Kommentar veröffentlicht, der unter anderem von seiner Herzkrankheit berichtet und mir zu Herzen gegangen ist. Er schreibt: „Der Manager opfert in der ersten Hälfte seines Berufslebens seine Gesundheit, um viel Geld zu verdienen, damit er es in der zweiten Hälfte ausgibt, um seine Gesundheit wieder zu erlangen. Wie doof ist das denn?“

Ich habe mich dann mal mit dem Begriff „Managerkrankheit“ auf die Suche gemacht – kaum zu glauben, was man da alles findet. Von dubiosen Einträgen über eine „Gefühlsblindheit“ genannte Störung bis zu den erwartbaren Berichten über Krankheiten des Herz-, Kreislaufsystems war alles zu haben. Gemeinsamer Nenner: Das Herz, als Hort der Gefühle und als Lebenspumpe.

Besonders aufschlussreich fand ich diese Trouvaille bei Spiegel online  . Ein Artikel aus dem Jahr 1950 (!), der auf frühe Behandlungsansätze für Manager in den USA abhebt. Politisch völlig unkorrekt ( die political correctness hat man da ja erst in den frühen 90ern erfunden) heißt es da:

Bei näherer Untersuchung erweise sich jedoch oft, daß “seelische Unreife” der Grund für den anormalen Arbeitseifer dieser freiwilligen Ueberstundenarbeiter sei. “Obwohl sie schon längst eine leitende Position erhalten hatten, benahmen sie sich noch immer wie strebsame Schuljungen, die für ihren selbstzerstörerischen ‘Fleiß’ Lob und Befriedigung erwarteten. Ein verarmtes Innenleben und das fehlende Privatleben konnten ihnen das aber nicht bieten.”

So ganz und gar unbeeindruckt von ihrem Status über die Helden der modernen Leistungsgesellschaft zu reden, traut sich heute kaum einer mehr. Aber auch hier geht es wieder um das „verarmte Innenleben“, das der Mensch heutiger Zeit im Herzen verortet. Das war übrigens nicht immer so. Im Mittelalter und in der biblischen Körpersymbolik bis heute ist das Herz Sitz des Verstandes, des Entscheidens und Planens – all jener Fähigkeiten also, die Managern gern in besonderem Mass zugeschrieben werden…

 Und bleibe bei dem, was dir dein Herz rät;

denn du wirst keinen treueren Ratgeber finden.

Denn mit seinem Herzen kann ein Mann oft mehr erkennen,

als sieben Wächter, die oben auf der Warte sitzen.

(Sirach 37, 17-18)

 

Was sagt uns das? – Männer und Manager, achtet auf Euch und auf Euer Herz…!

Neue Studie: Belastbarkeit von Älteren bei unbefristetem Vertrag

10. Mai 2011

Neue Studie: Belastbarkeit von Älteren bei unbefristetem Vertrag

Ist es nicht verblüffend, wie manche Studien einfach ideal zu bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungen passen? Diese hier bescheinigt älteren Arbeitnehmern, dass sie nach wie vor (!) innovativ und darüber hinaus auch noch belastbarer sind als ihre jungen Kollegen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Rahmenbedingungen stimmen: Ein unbefristeter Arbeitsvertrag gehört zum Beispiel dazu. Wo wir grad von Altersgruppen reden: Von unbefristeten Arbeitsverträgen kann die „Generation Praktikum“ offenbar weiter nur träumen.

 Kein Wunder also, dass die weniger belastbar sind?