Rubrik ‘mehr Zeit für mich’

Unternehmen mit work-life-balance

02. Okt 2013

 

Immer wieder höre ich die Frage – wo gibt es Unternehmen, die auf ihre Angestellten im Sinne einer angemessenen work-life-balance achten?

Hier habe ich schon mehrmals darauf geantwortet: Es gibt sie, diese Firmen, aber man muss einen Moment nach ihnen suchen. Der Automobilzulieferer „Dräxlmaier“ in Niederbayern scheint demnächst auch dazu zu gehören. Dort wird beispielsweise Mehrarbeit grundsätzlich nicht finanziell, sondern mit Freizeit ausgeglichen. Ein Ampelsystem zeigt jedem Mitarbeiter an, wann es „dunkelgelb“ wird für ihn – ab 130 Überstunden nämlich. Außerdem will man demnächst acht Krippenplätze anbieten und arbeitet an einer Betriebsvereinbarung zur Gefährdungsanalyse . Alles kleine Pflastersteine auf dem richtigen Weg zum Ziel.

Achtzig Prozent arbeiten, als Mann, geht nicht? Geht doch!

28. Mrz 2013

 

Neulich rief ein ehemaliger Klient an. Ein drahtiger Mann besten Alters mit anspruchsvollem Job im Finanzsektor.  Sein Anliegen: Veränderung in Richtung Wohnort. Nicht nur die Arbeit, auch das stete Pendeln von zuhaus  nach Frankfurt nagten an den Reserven.

Nach und nach veränderte er vieles in seinem Leben, auch privat.  Er ging aktiv auf potentielle neue Arbeitgeber zu, auch wenn ihm das Initiativ-Bewerben zunächst nicht ganz koscher vorkam. Er bewarb sich – obwohl die letzten Vorstellungsgespräche „schon ein paar Jährchen her“ waren. Der Mann machte das, was man im Coaching „ die Comfortzone ausdehnen“ nennt: Er betrat Neuland, probierte aus, knüpfte neue Kontakte.

Zugegeben, den neuen Job in seiner Region hat er noch nicht, die Branche dümpelt momentan. Aber seine Stimme am Telefon klang gelöst und lebendig: Er hat nämlich eine für sich passende Zwischenlösung gefunden.  Er arbeitet jetzt nur noch 80 Prozent, jederzeit wieder „aufstockbar“, denn er wird geschätzt im Unternehmen.  Das durchzuboxen, war nicht leicht. Aber mit dem Zusatztag kann er viel anfangen – er will sich ja auch nach wie vor weiter bewerben.

Ich habe ihm gratuliert zu seiner Wendigkeit und Ausdauer. Er gehört nicht zu denen, die sagen, „das geht nicht.“

 Mehr zu dem Thema Männer und Downshifting finden Sie – ausser in meinen Büchern “Runterschalten” und “Downshifting” - im aktuellen SPIEGEL  WISSEN Magazin (Nr. 1 / 2013) mit dem Titel “Einfach leben” .

Pendeln auf Kredit: Was Arbeitsflexibilität für den Einzelnen bedeutet

28. Aug 2012

„Sie glauben gar nicht, wie mir dieses ewige Hin-, und Herpendeln zwischen Arbeit und Zuhause auf den Nerv geht…“ Das und den ausdrücklichen Wunsch, „wenig Reisen im nächsten Job“ höre ich oft in meinen Beratungen.

Dass Pendeln nicht nur auf den Nerv, sondern auch auf Kosten von Gesundheit, Freundschaften und Lebensgefühl geht (man nennt es auch ” work-life-balance”) , beschreibt der Hamburger Journalist Martin Tschechne in diesem lesenswerten Artikel bei Deutschlandradio  Kultur.

Burnout überall, auch im Spiegel.

03. Aug 2011

Im April diesen Jahres machte das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ mit dem Thema „Burnout“ auf.  Das Titelbild zeigte wahlweise einen männlichen oder eine weibliche Burnout-Kandidat/in im Spiegel-Kasten eingekerkert.

Gerade drei Monate später kam im Juli, also gerade noch erinnerbar für alle im Hamsterrad, der neue Titel über Burnout-Prävention. Und logisch: Da waren die Titelfrauen bzw -. Männer am Herauskrabbeln aus dem Kasten.

Mehr dazu hier.

Selbstbestimmt arbeiten – neues Arbeitszeitmodell bei Trumpf

06. Jul 2011

Wer runterschalten will, hat oft mit Widerständen beim bisherigen Arbeitgeber zu kämpfen. In „Runterschalten!“ schreibe ich, dass sich in Bezug auf Arbeitszeitmodelle einiges tun müsste und dass Teilzeitarbeit immer noch ein schwieriges Kapitel ist. Aber da scheint einiges in Bewegung zu kommen - langsam, langsam gibt es neue Ideen. Wie zum Beispiel die des schwäbischen Werkzeugmaschinenbauers Trumpf. Dort können die Mitarbeiter von nun an alle zwei Jahre selbst entscheiden, ob sie wöchentlich mehr oder weniger arbeiten möchten. Außerdem gibt es Arbeitszeitkonten, auf dem bis zu 1000 Stunden „angespart“ und zu einem späteren Zeitpunkt abgerufen werden können. Selbst die in dieser Hinsicht eher skeptischen Gewerkschaften unterstützen das Modell. Gute Nachrichten also für Menschen, die selbstbestimmter arbeiten wollen.

Pressemitteilung der Firma Trumpf zum neuen Arbeitszeitmodell

Krank im und am Herzen: Typisch für Manager?

16. Jun 2011

Ein Leser von „Runterschalten!“ hat hier einen Kommentar veröffentlicht, der unter anderem von seiner Herzkrankheit berichtet und mir zu Herzen gegangen ist. Er schreibt: „Der Manager opfert in der ersten Hälfte seines Berufslebens seine Gesundheit, um viel Geld zu verdienen, damit er es in der zweiten Hälfte ausgibt, um seine Gesundheit wieder zu erlangen. Wie doof ist das denn?“

Ich habe mich dann mal mit dem Begriff „Managerkrankheit“ auf die Suche gemacht – kaum zu glauben, was man da alles findet. Von dubiosen Einträgen über eine „Gefühlsblindheit“ genannte Störung bis zu den erwartbaren Berichten über Krankheiten des Herz-, Kreislaufsystems war alles zu haben. Gemeinsamer Nenner: Das Herz, als Hort der Gefühle und als Lebenspumpe.

Besonders aufschlussreich fand ich diese Trouvaille bei Spiegel online  . Ein Artikel aus dem Jahr 1950 (!), der auf frühe Behandlungsansätze für Manager in den USA abhebt. Politisch völlig unkorrekt ( die political correctness hat man da ja erst in den frühen 90ern erfunden) heißt es da:

Bei näherer Untersuchung erweise sich jedoch oft, daß “seelische Unreife” der Grund für den anormalen Arbeitseifer dieser freiwilligen Ueberstundenarbeiter sei. “Obwohl sie schon längst eine leitende Position erhalten hatten, benahmen sie sich noch immer wie strebsame Schuljungen, die für ihren selbstzerstörerischen ‘Fleiß’ Lob und Befriedigung erwarteten. Ein verarmtes Innenleben und das fehlende Privatleben konnten ihnen das aber nicht bieten.”

So ganz und gar unbeeindruckt von ihrem Status über die Helden der modernen Leistungsgesellschaft zu reden, traut sich heute kaum einer mehr. Aber auch hier geht es wieder um das „verarmte Innenleben“, das der Mensch heutiger Zeit im Herzen verortet. Das war übrigens nicht immer so. Im Mittelalter und in der biblischen Körpersymbolik bis heute ist das Herz Sitz des Verstandes, des Entscheidens und Planens – all jener Fähigkeiten also, die Managern gern in besonderem Mass zugeschrieben werden…

 Und bleibe bei dem, was dir dein Herz rät;

denn du wirst keinen treueren Ratgeber finden.

Denn mit seinem Herzen kann ein Mann oft mehr erkennen,

als sieben Wächter, die oben auf der Warte sitzen.

(Sirach 37, 17-18)

 

Was sagt uns das? – Männer und Manager, achtet auf Euch und auf Euer Herz…!

Krank zur Arbeit: Präsentismus in Deutschland

09. Jun 2011

Haben Sie schon mal den Ausdruck „Präsentismus“ gehört? Damit bezeichnet man das in Deutschland weit verbreitete Phänomen, krank zur Arbeit zu gehen. Schon im Jahr 2007 zeigte eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, dass drei von vier Arbeitnehmern mindestens einmal im Jahr trotz Krankheit arbeiten.

Eine neue Studie   im Auftrag der Felix-Burda-Stiftung befeuert nun die These, dass kranke Mitarbeiter mit diesem Verhalten nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem Unternehmen schaden. Demnach kostet das ein Unternehmen durchschnittlich 2500 Euro, doppelt so viel, wie wenn Kranke sich zuhause auskurieren.

Welche erdrutschartigen Folgen wird diese Studie nun haben? Vermutlich keine. Aber sie verdeutlicht einmal mehr, wie die Frage „was ist mir wichtig?“ meistens beantwortet wird. Wichtig ist das Fremdurteil von Kollegen und Vorgesetzten „da ist eine/r zu Opfern bereit, also gehört er/sie dazu.“ Arbeiten als Opferdienst?

Runterschalten für mehr Zeit und mehr Familie

18. Jan 2011

Es gibt viele individuelle Gründe, runterschalten oder downshiften zu wollen. Einer davon ist, mehr Zeit für sich und die Familie zu haben. So langsam spricht es sich rum in der Wirtschaft, dass dies nicht nur ein legitimes, sondern für Unternehmen auch ein nutzbringendes Anliegen ist: Angestellte, denen Spielraum für ihr Privatleben gegeben wird, sind motivierter und loyaler gegenüber ihrem Arbeitgeber als andere, die sich verausgaben und früh ausbrennen.

Zu den Unternehmen, die das erkannt haben, gehört Mekra-Lang  in Bayern. Der führende Hersteller von Spiegel-, und Kamerasystemen bei Nutzfahrzeugen versteht sich als Familienunternehmen, das die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aktiv unterstützt. So bietet die Firma beispielsweise eine eigene Kindertagesstätte an. Männer, die in Elternzeit gehen wollen, werden genauso gefördert wie Frauen, die beruflich weiter kommen wollen. Mich als Autorin von „Runterschalten!“ freut das, denn diese Firma zeigt, dass und wie es geht!