Rubrik ‘Stress’

Schlafprobleme anpacken mit dem “online-Schlaflabor”

13. Jun 2013

 

Sie glauben nicht, wie oft ich von meinen Klienten höre „wenn ich nur mal wieder richtig durchschlafen könnte“…

Gut schlafen und sich gut fühlen hängen zusammen, das weiß jeder. Aber dennoch: Vierundzwanzig Stunden scheinen für all das, was wir in sie hinein packen, zu kurz, und das geht zulasten unserer Erholphasen. Eine Umfrage der BKK zu den Schlafroutinen moderner Berufstätiger hat folgendes ergeben:

Ein Fünftel der befragten Berufs­tätigen beschäftigt sich auch in der letzten halben Stunde vor dem Schlafengehen noch mit berufsbezogenen Tätigkeiten wie dem Schreiben von E-Mails.

Fast jeder zweite Befragte (49 %) leidet mindestens ein bis drei Mal pro Monat an Schlafproblemen, das heißt er wacht vorzeitig auf, oder hat Probleme mit dem Ein- oder Durchschla­fen.

13 Prozent leiden jede oder fast jede Nacht an Schlaf­störungen.

Sollten Sie zu jenen Schlecht-Schläfern gehören, nehmen Sie das bitte ernst. Im Schlaf arbeitet unser Immunsystem auf vollen Touren und wenn wir nicht genug Schlaf haben, leidet die Gesundheit.

Auf dieser Seite  der BKK  können Sie einen „Schlaftest“ machen, der Sie auf die Spur der Ursachen Ihrer Schlafprobleme bringt. Das ist gut zum Vorsondieren, und falls sich gesundheitliche Probleme andeuten, sollten Sie Ihren Arzt darauf gezielt ansprechen.

Arbeit als Religion, filmisch betrachtet

15. Mai 2013

 

Die Annahme, Arbeit sei zur Religion unsrer Zeit geworden, ist nicht eben neu. Schon Max Weber sagte das. In der westlichen Welt gelte Arbeit , so schreibt er, als von Gott vorgeschriebener Selbstzweck des Lebens überhaupt. Wertlos und geradezu verwerflich sei aus diesem Blickwinkel der Müßiggang – „wer rastet, der rostet“, lautet die sprichwörtliche Entsprechung.

Dass dieser moderne Glaube teilweise absurde Züge trägt, wird neuerdings auch gern von Filmemachern thematisiert. Wir erinnern uns an Carmen Losmanns genialen Dokumentarfilm „work hard play hard, in dem die unkommentierte Beobachtung echter Arbeitszenen genügt, damit einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Seit 2. Mai ist nun „Frohes Schaffen – Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral“ von Konstantin Faigle in den Kinos. Auch seine filmische Aufbereitung wird  echte Jünger wohl kaum dazu bringen, vom Glauben abzufallen…

Fremdbestimmtes Arbeiten macht krank, sagt auch Bundesarbeitsministerium

30. Apr 2012

 

Der „Tag der Arbeit“ naht, und die Nachricht des Tages wiederholt einmal wieder, was eigentlich alle längst wissen: Eine Statistik des Bundesministeriums für Arbeit bestätige, dass immer mehr psychische Erkrankungen zu Frühverrentungen führten. Schon im Herbst vorigen Jahres hat das Ärzteblatt ähnliches berichtet. Als Gründe dafür wird einerseits eine auch bei Ärzten – endlich! – gestiegene Bewusstheit für die seelische Verfassung von Patienten gesehen und andererseits die „gestiegene Fremdbestimmung“ in der Arbeitswelt.

 Haben die Autoren mein Buch „Runterschalten“ gelesen? -Meine Rede! Aber ob’s was nützt…?

Einen erholsamen Tag der Arbeit wünscht Ihnen Ihre Runterschalten-Autorin  Wiebke Sponagel

Ärzte ohne Grenzen – ohne Leistungsgrenzen?

18. Feb 2012

Bei manchen Jobs ist die chronische Überlastung schon ins Berufsbild implantiert, scheint es. Die Überlastung ist „normal“ geworden und dennoch wird höchste Qualität erwartet – so jedenfalls geht es Ärzten, besonders den jungen. Schon vor 11 Jahren stand im Schlussprotokoll der 104. deutschen Ärztetags in Ludwigshafen zu lesen:

Die Situation junger Ärztinnen und Ärzte in den deutschen Krankenhäusern ist bedrückend  [...] Auf Grund der Angst vor dem Verlust des Arbeits- und Weiterbildungsplatzes oder vor gravierenden Nachteilen für die berufliche Zukunft lehnen sich betroffene Ärztinnen und Ärzte kaum gegen diese Ausbeutung auf. Klaglos wird hingenommen, dass eine Unzahl von Überstunden vielfach weder bezahlt noch durch Freizeit ausgeglichen wird. Als Folge der Angst vor Repressalien werden oft sechzig bis siebzig Arbeitsstunden in der Woche stillschweigend geduldet. Muss jeder LKW-Fahrer vor Antritt einer Fahrt eine Tachoscheibe einlegen und mit Bestrafung rechnen, wenn vorgeschriebene Lenkzeiten und Ruhepausen nicht eingehalten werden, werden von den Verantwortlichen im Krankenhaus arbeitszeitrechtliche Vorschriften gerade dort mit Füßen getreten, wo durch Stress und Müdigkeit die Versorgung und Betreuung der Patienten gefährdet werden können – nämlich bei den jungen Krankenhausärztinnen und -ärzten. So hat eine Studie ergeben, dass das Reaktionsvermögen eines Arztes nach ununterbrochener Arbeitszeit von 24 Stunden dem eines Autofahrers mit einem Blutalkohol-Spiegel von einem Promille entspricht. Wer aber möchte sich schon von einem “Angetrunkenen” operieren lassen?“

Deutliche Worte, und offenbar hat sich seither nichts geändert.

Durch meine Klienten habe ich schon hinter die Kulissen von so manchem Unternehmen blicken können.  Nie kam mir so das kalte Grausen wie bei den Berichten von Fachärzten aus Kliniken. Mal abgesehen von den immer schlimmer werdenden strukturellen Problemen herrscht seitens der leitenden Ärzte oft eine Art Kasernenton vor. Unbedingter Gehorsam ist gefordert. Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit gelten als k.o.-Kriterium für die Karriere. Wer sich eine OP nicht zutraut, weil er vielleicht noch nicht die Erfahrungswerte hat, wird zu Putzdiensten abkommandiert.

Es ist ja bekannt, dass Ärzte berufsbedingt weniger Empathie haben als andere Berufsgruppen. Sonst könnten sie ihren Job wohl nicht machen. Aber dass Menschen und besonders junge Kollegen so etwas nicht Operables wie natürliche Leistungsgrenzen haben, sollte sich in diesen Kreisen vielleicht doch mal rumsprechen.

Neuer Ratgeber über work-life-balance von ZEIT Wissen Ratgeber

08. Okt 2011

 

Zum Glücklichsein will man uns schon nicht mehr anleiten, aber doch zum besseren Leben. So jedenfalls lautet der Titel des aktuellen „Zeit Wissen Ratgebers“. Das 120 Seiten starke Magazin bietet unter den Überschriften Arbeiten, Leben und Service einen gelungenen Überblick zu vielen Fragen, die dem modernen Sinnsucher unter den Nägeln brennen, etwa:

Was kann eine berufliche Neuorientierung mir bringen? Wie vereinbare ich Kinder und Karriere? Darf ich auch mal nichts tun? Wie schütze ich mich vor zuviel Stress bzw. burnout?

Dazu gibt es im Serviceteil Wissenswertes zu arbeitsrechtlichen Inhalten, über Perfektionismus, Medizin und Psychologie. Empfehlenswert.

Burnout überall, auch im Spiegel.

03. Aug 2011

Im April diesen Jahres machte das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ mit dem Thema „Burnout“ auf.  Das Titelbild zeigte wahlweise einen männlichen oder eine weibliche Burnout-Kandidat/in im Spiegel-Kasten eingekerkert.

Gerade drei Monate später kam im Juli, also gerade noch erinnerbar für alle im Hamsterrad, der neue Titel über Burnout-Prävention. Und logisch: Da waren die Titelfrauen bzw -. Männer am Herauskrabbeln aus dem Kasten.

Mehr dazu hier.

Raus aus der Stressfalle, mit Eigenlob?

17. Apr 2011

„Am liebsten würde ich es allen recht machen….“ Mein Klient grinst schief, als er diesen Satz ausspricht. Er weiß genau, in welche Nöte er sich mit dieser Haltung bringt. Er ist die Arbeitsbiene in der Abteilung, alle wissen, dass er nicht „nein“ sagen kann.

 Starkes Streben nach Anerkennung von allen Seiten, gepaart mit der Unfähigkeit, eigene Leistungsgrenzen zu sehen, sind Faktoren, die bekanntermaßen den persönlichen Stress verstärken. Stellen Sie sich doch mal vor, frage ich an der Stelle meist, wofür man Sie gern haben kann, wenn Sie den ganzen Stress nicht hätten?

 Da ernte ich meist erst mal Stirnrunzeln. Denn obwohl den meisten bewusst ist, dass „Nicht-nein-sagen-können“ für sie problematisch ist, ziehen die wenigsten den Schluss zu ihrem Drang, von anderen gelobt zu werden. Der erste Schritt aus der Stressfalle ist daher „eigentlich“ ganz einfach: Es nicht mehr allen recht machen wollen. Unabhängig davon werden und eine positive Buchführung für sich selbst anfangen. In dem Fall stinkt Eigenlob nämlich nicht.

Stressauslöser Kontrollverlust: Was, wenn Sie nicht mehr Herr der Lage sind?

23. Feb 2011

Wie einst bei Robert Lembke malt mein Gegenüber einen Berg in die Luft, um zu zeigen, wie viele e-mails er Tag für Tag zu bearbeiten hat. Aber das ist nur ein Teil der täglichen Stress-Portion. Im Projektmanagement überschlagen sich halt regelmäßig die Ereignisse.

Bei näherem Hinsehen finden wir heraus, dass es nicht nur die Gleichzeitigkeit der zu bewältigenden Aufgaben ist, die meinen Klienten nervt, sondern der dabei empfundene Kontrollverlust. Er sei dazu da, die Übersicht zu behalten, meint er, aber hin und wieder sei das halt nicht möglich, und das martert ihn. Sonst niemanden, frage ich? Er verneint – diese Momente seines persönlichen Kontrollverlusts gehen im allgemeinen Trubel meistens unter.

Da geht ihm ein Kronleuchter auf, er erkennt, dass er sich hier selbst Stolpersteine in den Weg legt. Und er hat eine Idee: Was wäre, wenn er sich selbst ab und zu einen „kontrollierten“ Kontrollverlust zugestehen würde? Könnte er dann mal durchatmen, ohne dass das Projekt gleich scheitert? Er will sie mal ausprobieren, diese neue Art von Selbstmanagement.  Mal sehen, wie sich dieses Projekt entwickelt…

Grosses Medienecho: Leistungsdruck im Beruf, Stress, Burnout

14. Feb 2011

Hören Sie das? Es rauscht gerade im Medienwald zu einem der Hauptgründe fürs downshifting, dem steigenden Leistungsdruck am Arbeitsplatz. Vor kurzem machte der Spiegel mit dem Thema „Burnout-Syndrom“ auf , auch die “Brigitte” berichtete dazu .

 Heute abend nun beginnt die ARD eine dreiteilige Dokumentation mit dem Titel „Deutschland unter Druck“. Dabei geht es zunächst um den Leistungsdruck bei Kindern, am Mittwoch sind „die getriebenen Erwachsenen“ dran  und am Donnerstag schliesslich „die verunsicherten Alten.“

Sehr begrüssenswert, dass so der öffentliche Diskurs zu diesen Fragen neue Impulse bekommt. Bestimmt sehenswert für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, runterzuschalten. Und vielleicht steckt ja auch ein Funken drin, der unsere Riesenpötte von Unternehmen zum Umlenken bringt: Denn auch Unternehmen sollten endlich Konzepte entwickeln, „nachhaltig“ und „wertschätzend“ mit dem angeblich größten Kapital umzugehen, das sie haben: Dem „Humankapital“.

Nochmal: burnout

24. Jan 2011

Gerade erreicht mich der Hinweis auf einen ganz frischen Artikel zum Thema burnout und das Verbrennen von Potentialen in der Wirtschaft bei SPIEGEL online, hier.