Rubrik ‘was ich wirklich will’

Frauen, Führung und Technik – auch ein Thema beim Runterschalten

28. Okt 2013

 

Wieso ist es im Zusammenhang mit dem Thema Runterschalten erwähnenswert, dass gerade zwei Frauen den deutschen Umweltpreis erhalten haben?

Weil das Runterschalten auch vor dem hierzulande noch verbreiteten Rollenverständnis nicht Halt macht. Wer runterschalten will, setzt sich mit seinem Selbstverständnis auseinander und mit den Rollen, die an dieses Selbst geknüpft sind: Hauptbrötchenverdiener? Frau als Hausfrau und Mutter? Frau in „Männerdomäne“ (Management oder Technik)? Mann in „Frauendomäne“ (Pflege/Kommunikation)? Menschen, die neue Wege suchen, überdenken ihre Rollenmuster und erfinden sich und ihr Rollenrepertoire möglicherweise neu.

Die Beispiele der Preisträgerinnen Hock-Heyl und Sladek zeigen, dass es geht: Sie sind erfolgreiche Unternehmerinnen im einem technischen Bereich. Sicher haben die beiden nicht runtergeschaltet, indem sie weniger arbeiten. Aber sie haben sich und ihre Ideen verwirklicht.

Gratulation! Beweglichkeit ist das Ziel.

Gesucht: Nachhaltige Unternehmen

25. Apr 2013

 

Oft höre ich von meinen Klienten, dass sie nach Arbeitgebern suchen, die „respektvoll und wertschätzend“ mit ihrem Personal umgehen. Sie meinen damit solche Unternehmen, die auch auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter achten, nachhaltige Unternehmen also.

Seit heute sind sie mit dieser Suche nicht allein.

Die bundesweite Initiative „TOP Gesundheitsmanagement“ hat den „Gesundheitsmanagement-Award 2013 für Deutschlands fittestes Unternehmen“ ausgelobt. Ab jetzt können sich Firmen bewerben, die meinen, mit ihrer Fürsorge für die Gesundheit ihrer Belegschaft punkten zu können.

Glaubt man den Initiatoren, so fehlt ein nachhaltiger Umgang mit der Humanressource noch in zwei Dritteln der Großunternehmen. Im Mittelstand sieht es noch trauriger aus – nur jedes zwanzigstes Unternehmen ist gegenwärtig in dieser Hinsicht engagiert. Das liegt, so meinen die Preisverleiher, meist an fehlendem Wissen darüber, wie ein betriebliches Gesundheitsmanagement umgesetzt wird.

Mehr dazu hier.

Eine gute Nachricht jedenfalls für alle, die runterschalten wollen…

Achtzig Prozent arbeiten, als Mann, geht nicht? Geht doch!

28. Mrz 2013

 

Neulich rief ein ehemaliger Klient an. Ein drahtiger Mann besten Alters mit anspruchsvollem Job im Finanzsektor.  Sein Anliegen: Veränderung in Richtung Wohnort. Nicht nur die Arbeit, auch das stete Pendeln von zuhaus  nach Frankfurt nagten an den Reserven.

Nach und nach veränderte er vieles in seinem Leben, auch privat.  Er ging aktiv auf potentielle neue Arbeitgeber zu, auch wenn ihm das Initiativ-Bewerben zunächst nicht ganz koscher vorkam. Er bewarb sich – obwohl die letzten Vorstellungsgespräche „schon ein paar Jährchen her“ waren. Der Mann machte das, was man im Coaching „ die Comfortzone ausdehnen“ nennt: Er betrat Neuland, probierte aus, knüpfte neue Kontakte.

Zugegeben, den neuen Job in seiner Region hat er noch nicht, die Branche dümpelt momentan. Aber seine Stimme am Telefon klang gelöst und lebendig: Er hat nämlich eine für sich passende Zwischenlösung gefunden.  Er arbeitet jetzt nur noch 80 Prozent, jederzeit wieder „aufstockbar“, denn er wird geschätzt im Unternehmen.  Das durchzuboxen, war nicht leicht. Aber mit dem Zusatztag kann er viel anfangen – er will sich ja auch nach wie vor weiter bewerben.

Ich habe ihm gratuliert zu seiner Wendigkeit und Ausdauer. Er gehört nicht zu denen, die sagen, „das geht nicht.“

 Mehr zu dem Thema Männer und Downshifting finden Sie – ausser in meinen Büchern “Runterschalten” und “Downshifting” - im aktuellen SPIEGEL  WISSEN Magazin (Nr. 1 / 2013) mit dem Titel “Einfach leben” .

Letzte Wünsche

26. Feb 2013

 

Immer mal wieder stelle ich in meinen Beratungen die Feenfrage. Sie lautet „Stellen Sie sich vor, ich könnte zaubern, und morgen wäre alles anders – wie wäre es dann?“

Die Antworten darauf sind unterschiedlich, haben aber oft zu tun mit der Fassadenhaftigkeit des Lebens, mit der Furcht davor, eine Maske abzulegen, bzw. mit der Freude, endlich „echt“ sein zu dürfen.

Am Ende eines Lebens wird kein Coach diese Frage mehr stellen. Aber eine australische Palliativ-Pflegerin hat Menschen auf dem Sterbebett gefragt, was sie rückblickend am meisten  bedauern. Entstanden ist ein Buch mit einer Hit-Liste von Wünschen, die ersten vier lauten:

1. “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben”

2. “Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“

3. “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken”

4. “Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten”

Mehr dazu lesen Sie hier.

Übrigens: Wir Lebenden können unser Leben (noch!) gestalten.  Stellen Sie sich doch auch mal die Feenfrage…

Krank zur Arbeit: Präsentismus in Deutschland

09. Jun 2011

Haben Sie schon mal den Ausdruck „Präsentismus“ gehört? Damit bezeichnet man das in Deutschland weit verbreitete Phänomen, krank zur Arbeit zu gehen. Schon im Jahr 2007 zeigte eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, dass drei von vier Arbeitnehmern mindestens einmal im Jahr trotz Krankheit arbeiten.

Eine neue Studie   im Auftrag der Felix-Burda-Stiftung befeuert nun die These, dass kranke Mitarbeiter mit diesem Verhalten nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem Unternehmen schaden. Demnach kostet das ein Unternehmen durchschnittlich 2500 Euro, doppelt so viel, wie wenn Kranke sich zuhause auskurieren.

Welche erdrutschartigen Folgen wird diese Studie nun haben? Vermutlich keine. Aber sie verdeutlicht einmal mehr, wie die Frage „was ist mir wichtig?“ meistens beantwortet wird. Wichtig ist das Fremdurteil von Kollegen und Vorgesetzten „da ist eine/r zu Opfern bereit, also gehört er/sie dazu.“ Arbeiten als Opferdienst?

Fastenzeit, mehr vom Weniger: Auch weniger Arbeit?

09. Mrz 2011

Aschermittwoch, Fastenzeit. Auch wenn Sie heute kein Aschekreuz auf der Stirn tragen, liegen jetzt Ideen in der Luft, die ein „weniger ist mehr“ propagieren. Heilfasten in jeglicher Hinsicht – weniger Essen, weniger konsumieren, weniger arbeiten?

Eine offener Widerspruch aus kirchlicher Sicht. Kirchen, und gerade die evangelische bzw. puritanische Richtung, verbreiten ja das Motto „Bete und Arbeite!“ – im Land des Puritanismus wurde der workaholism schließlich erfunden. Aber Widersprüche sind unser täglich Brot und wir haben gelernt, mit ihnen umzugehen. Aus rein pragmatischer Sicht ist offensichtlich: Wer weniger isst, sollte auch weniger arbeiten – sonst haut es ihn oder sie  aus den Latschen.

Aber vielleicht lassen solche Fragen Sie auch kalt und Sie merken an ganz anderer Stelle, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt ist, runter zu schalten: Weil Sie Ihre Familie und Freunde kaum mehr sehen, vielleicht. Weil Sie unter Schlafstörungen leiden und sich nicht mehr konzentrieren können. Weil Sie ein Fassadenleben führen. Oder weil Sie sich die Frage nach dem Sinn Ihrer Arbeit stellen und nach dem, was Sie wirklich wollen.  Bleiben Sie dran, an diesen Fragen!

Was erwartet die Umwelt von mir, und was davon will ich?

20. Jan 2011

 

Gestern habe ich hier die Männer aufgefordert, mehr auf sich zu achten, um nicht in die Falle der Überforderung zu tappen. Überhaupt, unsere Rollenbilder. In meinem Buch „Runterschalten“ gehe ich darauf ausführlich ein, hier nur so viel: Fürs Runterschalten ist es wichtig, zwischen den Erwartungen der Umwelt und den eigenen zu unterscheiden. Dabei geht es auch und besonders um die Geschlechterrollen: Der Mann als Hauptverdiener, als durchsetzungsfähiger Kämpfer, die Frau als Zubrotverdienerin und „Familienmanagerin“, diese Rollen sind oft nicht selbst gewählt, sondern stillschweigend übernommen. Vorteil: Man braucht nicht viel darüber reden. Nachteil: Man redet nicht viel darüber. Aber lesen Sie mehr dazu in meinem Kapitel „Ohne Worte – Beziehungen im Energiesparmodus.“ Und übrigens: Dass sich auch in Deutschland, das in Bezug auf die Gleichstellung etwa auf einer Ebene mit Indien rangiert, etwas in dieser Hinsicht tut, sehen Sie hier: www.total-e-quality.de.