Rubrik ‘work-life-balance’

Mehr Teilzeit für Männer!

15. Jan 2014

Erst, wenn die Teilzeit aus ihrer „Schmuddelecke“ als Beschäftigungsform für schlecht ausgebildete und unterbezahlte Frauen rauskommt (80% der Teilzeitarbeit in D wird von Frauen erledigt), wird sie allgemein akzeptiert sein und keinen Karriereknick mehr darstellen.

Aber wie soll das gehen?

Indem immer mehr Männer sie für sich beanspruchen.

Auf dem langen Weg dorthin ist inzwischen ein weiterer Meilenstein erreicht: Im Januar letzten Jahres (10.01.2013, LAG Köln – 7 Sa 766/12) erging beim Landesgericht Köln ein überaus wichtiges Urteil.

Anders als in der bisherigen Rechtsprechung des BAG verlangt dieses Urteil, dass auch die Beweggründe des Beschäftigten bei einem Teilzeitwunsch berücksichtigt werden müssen. Im konkreten Fall war ein Maschinenführer aus der Elternzeit zurück gekehrt und hatte für seine Schichtarbeit Teilzeit morgens beantragt. Er begründete dies damit, dass seine Frau Vollzeit arbeite, und er sich auch künftig um seine Kinder kümmern wolle.

Schon in erster Instanz (AG Bonn) erhielt der Familienvater Recht, in zweiter ebenso.

Der Hinweis auf die Beweggründe der Antragsteller lässt künftig wohl auch Raum für mögliche andere Gründe – etwa gesundheitlicher Art. Danke, LAG!

Unternehmen mit work-life-balance

02. Okt 2013

 

Immer wieder höre ich die Frage – wo gibt es Unternehmen, die auf ihre Angestellten im Sinne einer angemessenen work-life-balance achten?

Hier habe ich schon mehrmals darauf geantwortet: Es gibt sie, diese Firmen, aber man muss einen Moment nach ihnen suchen. Der Automobilzulieferer „Dräxlmaier“ in Niederbayern scheint demnächst auch dazu zu gehören. Dort wird beispielsweise Mehrarbeit grundsätzlich nicht finanziell, sondern mit Freizeit ausgeglichen. Ein Ampelsystem zeigt jedem Mitarbeiter an, wann es „dunkelgelb“ wird für ihn – ab 130 Überstunden nämlich. Außerdem will man demnächst acht Krippenplätze anbieten und arbeitet an einer Betriebsvereinbarung zur Gefährdungsanalyse . Alles kleine Pflastersteine auf dem richtigen Weg zum Ziel.

Schlafprobleme anpacken mit dem “online-Schlaflabor”

13. Jun 2013

 

Sie glauben nicht, wie oft ich von meinen Klienten höre „wenn ich nur mal wieder richtig durchschlafen könnte“…

Gut schlafen und sich gut fühlen hängen zusammen, das weiß jeder. Aber dennoch: Vierundzwanzig Stunden scheinen für all das, was wir in sie hinein packen, zu kurz, und das geht zulasten unserer Erholphasen. Eine Umfrage der BKK zu den Schlafroutinen moderner Berufstätiger hat folgendes ergeben:

Ein Fünftel der befragten Berufs­tätigen beschäftigt sich auch in der letzten halben Stunde vor dem Schlafengehen noch mit berufsbezogenen Tätigkeiten wie dem Schreiben von E-Mails.

Fast jeder zweite Befragte (49 %) leidet mindestens ein bis drei Mal pro Monat an Schlafproblemen, das heißt er wacht vorzeitig auf, oder hat Probleme mit dem Ein- oder Durchschla­fen.

13 Prozent leiden jede oder fast jede Nacht an Schlaf­störungen.

Sollten Sie zu jenen Schlecht-Schläfern gehören, nehmen Sie das bitte ernst. Im Schlaf arbeitet unser Immunsystem auf vollen Touren und wenn wir nicht genug Schlaf haben, leidet die Gesundheit.

Auf dieser Seite  der BKK  können Sie einen „Schlaftest“ machen, der Sie auf die Spur der Ursachen Ihrer Schlafprobleme bringt. Das ist gut zum Vorsondieren, und falls sich gesundheitliche Probleme andeuten, sollten Sie Ihren Arzt darauf gezielt ansprechen.

Achtzig Prozent arbeiten, als Mann, geht nicht? Geht doch!

28. Mrz 2013

 

Neulich rief ein ehemaliger Klient an. Ein drahtiger Mann besten Alters mit anspruchsvollem Job im Finanzsektor.  Sein Anliegen: Veränderung in Richtung Wohnort. Nicht nur die Arbeit, auch das stete Pendeln von zuhaus  nach Frankfurt nagten an den Reserven.

Nach und nach veränderte er vieles in seinem Leben, auch privat.  Er ging aktiv auf potentielle neue Arbeitgeber zu, auch wenn ihm das Initiativ-Bewerben zunächst nicht ganz koscher vorkam. Er bewarb sich – obwohl die letzten Vorstellungsgespräche „schon ein paar Jährchen her“ waren. Der Mann machte das, was man im Coaching „ die Comfortzone ausdehnen“ nennt: Er betrat Neuland, probierte aus, knüpfte neue Kontakte.

Zugegeben, den neuen Job in seiner Region hat er noch nicht, die Branche dümpelt momentan. Aber seine Stimme am Telefon klang gelöst und lebendig: Er hat nämlich eine für sich passende Zwischenlösung gefunden.  Er arbeitet jetzt nur noch 80 Prozent, jederzeit wieder „aufstockbar“, denn er wird geschätzt im Unternehmen.  Das durchzuboxen, war nicht leicht. Aber mit dem Zusatztag kann er viel anfangen – er will sich ja auch nach wie vor weiter bewerben.

Ich habe ihm gratuliert zu seiner Wendigkeit und Ausdauer. Er gehört nicht zu denen, die sagen, „das geht nicht.“

 Mehr zu dem Thema Männer und Downshifting finden Sie – ausser in meinen Büchern “Runterschalten” und “Downshifting” - im aktuellen SPIEGEL  WISSEN Magazin (Nr. 1 / 2013) mit dem Titel “Einfach leben” .

Letzte Wünsche

26. Feb 2013

 

Immer mal wieder stelle ich in meinen Beratungen die Feenfrage. Sie lautet „Stellen Sie sich vor, ich könnte zaubern, und morgen wäre alles anders – wie wäre es dann?“

Die Antworten darauf sind unterschiedlich, haben aber oft zu tun mit der Fassadenhaftigkeit des Lebens, mit der Furcht davor, eine Maske abzulegen, bzw. mit der Freude, endlich „echt“ sein zu dürfen.

Am Ende eines Lebens wird kein Coach diese Frage mehr stellen. Aber eine australische Palliativ-Pflegerin hat Menschen auf dem Sterbebett gefragt, was sie rückblickend am meisten  bedauern. Entstanden ist ein Buch mit einer Hit-Liste von Wünschen, die ersten vier lauten:

1. “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben”

2. “Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“

3. “Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken”

4. “Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten”

Mehr dazu lesen Sie hier.

Übrigens: Wir Lebenden können unser Leben (noch!) gestalten.  Stellen Sie sich doch auch mal die Feenfrage…

Pendeln auf Kredit: Was Arbeitsflexibilität für den Einzelnen bedeutet

28. Aug 2012

„Sie glauben gar nicht, wie mir dieses ewige Hin-, und Herpendeln zwischen Arbeit und Zuhause auf den Nerv geht…“ Das und den ausdrücklichen Wunsch, „wenig Reisen im nächsten Job“ höre ich oft in meinen Beratungen.

Dass Pendeln nicht nur auf den Nerv, sondern auch auf Kosten von Gesundheit, Freundschaften und Lebensgefühl geht (man nennt es auch ” work-life-balance”) , beschreibt der Hamburger Journalist Martin Tschechne in diesem lesenswerten Artikel bei Deutschlandradio  Kultur.

Kinotipp: “Work hard, play hard” – ohne work-life balance

13. Apr 2012

 

Gläserne Bürotürme, in denen sich Bewerber beim Jobinterview sichtbar verbiegen. Führungskräfte, die vorgeben, für noch mehr Leistung die DNA ihrer Mitarbeiter verändern zu wollen. Trainer, für die Mitarbeiter entweder nur high oder low Performer sind… das zeigt der preisgekrönte Dokumentarfilm „Work hard, play hard“ von Carmen Losmann, der ab 12. April in den Kinos läuft.

Für Menschen, die runterschalten wollen, ist dieses Porträt unsrer schönen, antiseptischen Arbeitswelt sicher ein zusätzlicher Anreiz. Mehr Informationen bei hr online, Hauptsache Kultur.

Ärzte ohne Grenzen – ohne Leistungsgrenzen?

18. Feb 2012

Bei manchen Jobs ist die chronische Überlastung schon ins Berufsbild implantiert, scheint es. Die Überlastung ist „normal“ geworden und dennoch wird höchste Qualität erwartet – so jedenfalls geht es Ärzten, besonders den jungen. Schon vor 11 Jahren stand im Schlussprotokoll der 104. deutschen Ärztetags in Ludwigshafen zu lesen:

Die Situation junger Ärztinnen und Ärzte in den deutschen Krankenhäusern ist bedrückend  [...] Auf Grund der Angst vor dem Verlust des Arbeits- und Weiterbildungsplatzes oder vor gravierenden Nachteilen für die berufliche Zukunft lehnen sich betroffene Ärztinnen und Ärzte kaum gegen diese Ausbeutung auf. Klaglos wird hingenommen, dass eine Unzahl von Überstunden vielfach weder bezahlt noch durch Freizeit ausgeglichen wird. Als Folge der Angst vor Repressalien werden oft sechzig bis siebzig Arbeitsstunden in der Woche stillschweigend geduldet. Muss jeder LKW-Fahrer vor Antritt einer Fahrt eine Tachoscheibe einlegen und mit Bestrafung rechnen, wenn vorgeschriebene Lenkzeiten und Ruhepausen nicht eingehalten werden, werden von den Verantwortlichen im Krankenhaus arbeitszeitrechtliche Vorschriften gerade dort mit Füßen getreten, wo durch Stress und Müdigkeit die Versorgung und Betreuung der Patienten gefährdet werden können – nämlich bei den jungen Krankenhausärztinnen und -ärzten. So hat eine Studie ergeben, dass das Reaktionsvermögen eines Arztes nach ununterbrochener Arbeitszeit von 24 Stunden dem eines Autofahrers mit einem Blutalkohol-Spiegel von einem Promille entspricht. Wer aber möchte sich schon von einem “Angetrunkenen” operieren lassen?“

Deutliche Worte, und offenbar hat sich seither nichts geändert.

Durch meine Klienten habe ich schon hinter die Kulissen von so manchem Unternehmen blicken können.  Nie kam mir so das kalte Grausen wie bei den Berichten von Fachärzten aus Kliniken. Mal abgesehen von den immer schlimmer werdenden strukturellen Problemen herrscht seitens der leitenden Ärzte oft eine Art Kasernenton vor. Unbedingter Gehorsam ist gefordert. Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit gelten als k.o.-Kriterium für die Karriere. Wer sich eine OP nicht zutraut, weil er vielleicht noch nicht die Erfahrungswerte hat, wird zu Putzdiensten abkommandiert.

Es ist ja bekannt, dass Ärzte berufsbedingt weniger Empathie haben als andere Berufsgruppen. Sonst könnten sie ihren Job wohl nicht machen. Aber dass Menschen und besonders junge Kollegen so etwas nicht Operables wie natürliche Leistungsgrenzen haben, sollte sich in diesen Kreisen vielleicht doch mal rumsprechen.

Neue Erkenntnisse zu work-life-balance

22. Nov 2011

Was weiß man eigentlich aus wissenschaftlicher Sicht zum Thema work-life-balance, werde ich oft von Journalisten gefragt.

Glücklicherweise ist das ja inzwischen ein reiches Feld für sozialwissenschaftliche Studien. Seit August 2009 läuft beispielsweise u.a. am Institut für sozialwissenschaftliche Forschung in München das Projekt „LANCEO“, bei dem es um das Verhältnis von Anforderungen und Ressourcen bei der Arbeit geht. Liest man die inzwischen erschienene Trendanalyse, so ist es mit  der viel beschworenen work-life-balance nicht weit her. Interessant auch die sogenannten „Daten und Fakten“,  die man auf den Lanceo-Seiten herunter laden kann.

An Erkenntnissen über die mangelnde work-life-balance fehlt es also nicht, schön wär’s, wenn sie mal in Unternehmen umgesetzt werden würden…

Burnout verhindern, wie geht das?

03. Nov 2011

 

 „Hätte ich nur früher die ersten Anzeichen beachtet“, sagte neulich ein Klient zu mir, der erst durch eine schwere Krankheit gehen musste, ehe ihm bewusst wurde, dass er sich und seinem Körper  – komisch, diese Zweiteilung, oder ?- zuviel zugemutet hatte.

Wie ihm geht es vielen Menschen, die in die Erschöpfungsspirale kommen, stets äußeren Erwartungen entsprechen wollen und schließlich nur noch mit Tunnelblick funktionieren. Sie „trennen“ sich von ihrem Körper und zwingen ihn, z.B. mit zuwenig Schlaf, Sex und körperlicher Nähe auszukommen.  Aber wir sind eben nicht nur Geist oder Intellekt. Was diesen Menschen fehlt, ist Achtsamkeit sich selbst gegenüber, vielleicht könnte man es auch Respekt vor den eigenen Bedürfnissen nennen.

Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, wie Sie Erschöpfung und burnout aus Ihrem Leben verbannen können, finden Sie hier wertvolle Tipps.