‘rohes Bürgertum’

Die andere Seite der Medaille – rohes Bürgertum?

05. Apr 2011

Eine Medaille hat immer zwei Seiten, heißt es. Die eine ist der burnout und ähnliche Ausfallerscheinungen: Gerade melden wieder einige Nachrichtenhändler,  das Erschöpfungs-Syndrom sei nach  Einschätzung der Gewerkschaft Verdi auf dem Vormarsch, jeder vierte im Bankenbereich leide darunter. Die andere Art, auf Leistungsdruck im Beruf und gefühlte Sinnlosigkeit zu reagieren, ist die Umkehr nach Außen, in Form von Aggression.

Wut und aufgestaute, sich unvermittelt entladende Frustrationen haben viele Gesichter: Marodierende Jugendbanden, anonyme Müllberge an sogenannten sozialen Brennpunkten. Mobbing an Schulen und in Unternehmen. Rowdietum und Regelbruch im Straßenverkehr. Die automobile Menschheit rüstet auf, der gefragteste Autotyp ist der SUV und seine Abkömminge: Eine Trutzburg auf Rädern, bestens geeignet, sich „den Weg frei“ zu fahren und von oben auf andere herab zu schauen.

Die Sozialwissenschaft hat für diese Entwicklungen neue Bezeichnungen gefunden. Es sei eine bestimmte Gesellschaftsschicht, von der diese Art von Menschenfeindlichkeit ausgehe, sagt Prof. Wilhelm Heitmeyer vom Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konfliktforschung. Er nennt sie „rohes Bürgertum“.  Passenderweise ist ein Artikel in der Süddeutschen  dazu mit gelegentlich erscheinender Burger-Werbung illustriert…  ob das  auch rohe Burger sind?

Aber Scherz beiseite:  Wenn man da weiterdenkt, vergeht einem das Lachen.  Da helfen nur ganz gezielte Immunisierungs-Strategien. Oder kollektives Runterschalten.