‘runterschalten’

Ist “Runterschalten” chic zur Fastenzeit?

25. Feb 2012

Fastenzeit, die Zeit des „weniger ist mehr“ hat begonnen: Weniger Fleisch und Fleischeslust, mehr Besinnung. Klar, dass sich die evangelisch-asketische Seite der Christengemeinschaft von derlei Themen besonders angesprochen fühlt. Kürzlich durfte ich zu protestantisch motivierten Kontemplationen über das Aussteigen und Besinnen beitragen: Link zum Artikel  ”Fastenzeit:Aussteigen – Besinnen” /Landeskirche Hannover

Aufrufe zum „Innehalten“ sind chic zur Fastenzeit und wenn wir in derlei Artikeln lesen, Leute arbeitet weniger, wundert das erst mal keinen. Schade. Vergessen scheint, dass es schließlich die emsigen Puritaner waren, die den Weg zu Effizienz und „wirtschaftlichem Arbeiten“ geebnet haben. Verpflichtet der Protestantismus doch jeden Einzelnen zum Ruhme Gottes Besitztum zu erhalten und durch rastlose Arbeit zu vermehren. Aber vielleicht ist sich der reformierte Protestant ja solcher Widersprüche bewusst und findet trotzdem einen Zugang zum Runterschalten?

Unerwartetes Weihnachtsgeschenk: Runterschalten im KulturSPIEGEL

23. Dez 2011

 

Wer hätte das gedacht? Kurz vor (zwanzig-)zwölf  ist es, und das Jahr 2011 dreht für mich noch mal auf: Ich werde eingeladen zu einem Interview mit dem KulturSPIEGEL-Redakteur Wolfgang Höbel und zu einer zweistündigen Fotosession, Thema: Runterschalten – Downshifting.

 An die 200 Bilder werden geschossen, nie gehörte Fragen gestellt – was denn  Schiffbruchkompetenz genau sei, will der Mann vom SPIEGEL zum Beispiel wissen. Das Ergebnis ist im aktuellen KulturSPIEGEL unter dem Titel „Abspecken!“ zu sehen: Eine echt gelungene Geschichte über den Zusammenhang von Sinnsuche, Germknödeln und „Fleisch mit Gesicht.“  Schauen Sie mal rein, in den aktuellen SPIEGEL. Wenn Sie aus der Beilage ein Ferkel freundlich angrinst, sind Sie richtig!

Jetzt auch online zu lesen: http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-83184544.html

Neue Erkenntnisse zu work-life-balance

22. Nov 2011

Was weiß man eigentlich aus wissenschaftlicher Sicht zum Thema work-life-balance, werde ich oft von Journalisten gefragt.

Glücklicherweise ist das ja inzwischen ein reiches Feld für sozialwissenschaftliche Studien. Seit August 2009 läuft beispielsweise u.a. am Institut für sozialwissenschaftliche Forschung in München das Projekt „LANCEO“, bei dem es um das Verhältnis von Anforderungen und Ressourcen bei der Arbeit geht. Liest man die inzwischen erschienene Trendanalyse, so ist es mit  der viel beschworenen work-life-balance nicht weit her. Interessant auch die sogenannten „Daten und Fakten“,  die man auf den Lanceo-Seiten herunter laden kann.

An Erkenntnissen über die mangelnde work-life-balance fehlt es also nicht, schön wär’s, wenn sie mal in Unternehmen umgesetzt werden würden…

Neuer Ratgeber über work-life-balance von ZEIT Wissen Ratgeber

08. Okt 2011

 

Zum Glücklichsein will man uns schon nicht mehr anleiten, aber doch zum besseren Leben. So jedenfalls lautet der Titel des aktuellen „Zeit Wissen Ratgebers“. Das 120 Seiten starke Magazin bietet unter den Überschriften Arbeiten, Leben und Service einen gelungenen Überblick zu vielen Fragen, die dem modernen Sinnsucher unter den Nägeln brennen, etwa:

Was kann eine berufliche Neuorientierung mir bringen? Wie vereinbare ich Kinder und Karriere? Darf ich auch mal nichts tun? Wie schütze ich mich vor zuviel Stress bzw. burnout?

Dazu gibt es im Serviceteil Wissenswertes zu arbeitsrechtlichen Inhalten, über Perfektionismus, Medizin und Psychologie. Empfehlenswert.

Neues zum Burnout: Manager, ändert die Strukturen, sagt managerSeminare

25. Aug 2011

 

Es ist kein subjektiver Eindruck – das Thema burnout rauscht munter weiter im deutschen Blätterwald. Jetzt macht auch managerSeminare damit auf.  Erfreulich an diesem Artikel: Endlich wird auch von der Verantwortung der Unternehmen gesprochen. Es greife zu kurz, heißt es da, wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter mit Stress-Coachings und Zeitmanagement-Seminaren zu einem Mutter-Teresa-würdigen Durchhaltevermögen verhelfen wollen. Ganz klar wird das Vorurteil, Burnout-Betroffene seien selber schuld, weil sie eben nicht nein sagen könnten,  angesprochen und relativiert: Nicht nur am Einzelnen liege es, sondern auch an den Unternehmensstrukturen, die immer mehr Arbeit auf immer weniger Schultern verteilen.

- Meine Rede!  Hat die Autorin mein Buch „Runterschalten!“ gelesen?

Es freut mich jedenfalls sehr, dass in die Vernebelungs-Taktik, Burnout-Betroffene auch noch zu „Deserteuren“ abzustempeln, langsam Licht kommt. Die Verantwortung der Führungskräfte wird deutlich genannt, aber auch, dass diese oft schon mit der Sorge für die eigene Gesundheit überfordert sind.

Mehr davon. Solche Artikel helfen, die allgemeine Wahrnehmung des Phänomens „Burnout“ endlich zu korrigieren. Dem Schlusswort, ein Zitat von Gunther Schmidt, habe ich nichts hinzuzufügen: „Das Ziel ist, die eigene Endlichkeit achtungsvoll zu akzeptieren.“

Burnout überall, auch im Spiegel.

03. Aug 2011

Im April diesen Jahres machte das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ mit dem Thema „Burnout“ auf.  Das Titelbild zeigte wahlweise einen männlichen oder eine weibliche Burnout-Kandidat/in im Spiegel-Kasten eingekerkert.

Gerade drei Monate später kam im Juli, also gerade noch erinnerbar für alle im Hamsterrad, der neue Titel über Burnout-Prävention. Und logisch: Da waren die Titelfrauen bzw -. Männer am Herauskrabbeln aus dem Kasten.

Mehr dazu hier.

Krank im und am Herzen: Typisch für Manager?

16. Jun 2011

Ein Leser von „Runterschalten!“ hat hier einen Kommentar veröffentlicht, der unter anderem von seiner Herzkrankheit berichtet und mir zu Herzen gegangen ist. Er schreibt: „Der Manager opfert in der ersten Hälfte seines Berufslebens seine Gesundheit, um viel Geld zu verdienen, damit er es in der zweiten Hälfte ausgibt, um seine Gesundheit wieder zu erlangen. Wie doof ist das denn?“

Ich habe mich dann mal mit dem Begriff „Managerkrankheit“ auf die Suche gemacht – kaum zu glauben, was man da alles findet. Von dubiosen Einträgen über eine „Gefühlsblindheit“ genannte Störung bis zu den erwartbaren Berichten über Krankheiten des Herz-, Kreislaufsystems war alles zu haben. Gemeinsamer Nenner: Das Herz, als Hort der Gefühle und als Lebenspumpe.

Besonders aufschlussreich fand ich diese Trouvaille bei Spiegel online  . Ein Artikel aus dem Jahr 1950 (!), der auf frühe Behandlungsansätze für Manager in den USA abhebt. Politisch völlig unkorrekt ( die political correctness hat man da ja erst in den frühen 90ern erfunden) heißt es da:

Bei näherer Untersuchung erweise sich jedoch oft, daß “seelische Unreife” der Grund für den anormalen Arbeitseifer dieser freiwilligen Ueberstundenarbeiter sei. “Obwohl sie schon längst eine leitende Position erhalten hatten, benahmen sie sich noch immer wie strebsame Schuljungen, die für ihren selbstzerstörerischen ‘Fleiß’ Lob und Befriedigung erwarteten. Ein verarmtes Innenleben und das fehlende Privatleben konnten ihnen das aber nicht bieten.”

So ganz und gar unbeeindruckt von ihrem Status über die Helden der modernen Leistungsgesellschaft zu reden, traut sich heute kaum einer mehr. Aber auch hier geht es wieder um das „verarmte Innenleben“, das der Mensch heutiger Zeit im Herzen verortet. Das war übrigens nicht immer so. Im Mittelalter und in der biblischen Körpersymbolik bis heute ist das Herz Sitz des Verstandes, des Entscheidens und Planens – all jener Fähigkeiten also, die Managern gern in besonderem Mass zugeschrieben werden…

 Und bleibe bei dem, was dir dein Herz rät;

denn du wirst keinen treueren Ratgeber finden.

Denn mit seinem Herzen kann ein Mann oft mehr erkennen,

als sieben Wächter, die oben auf der Warte sitzen.

(Sirach 37, 17-18)

 

Was sagt uns das? – Männer und Manager, achtet auf Euch und auf Euer Herz…!

Runterschalten zu Ostern

24. Apr 2011

Runterschalten zu Ostern

Was machen Sie so, zu Ostern? Wenn Sie nicht grad mein Buch „Runterschalten“ lesen und davon gar nicht mehr loskommen, hätte ich hier ein paar Ideen für Sie:

Lassen Sie das Auto stehen, sparen Sie Nerven und Sprit. Statt dessen: Ambulieren Sie, gehen Sie spazieren, wie es gute Sitte ist zu Ostern.  Wenn Ihnen das zu sportlich vorkommt und Sie lieber virtuell flanieren, habe ich auf meinem perspective-coaching-weblog einige Vorschläge dazu. Aber hier sind noch zwei, fürs süße Nichtstun:

Ein Rundum-Blick auf Newcastle. Eine absolut sinnfreie Enzyklopädie.

Schöne Ostern! Ihre Wiebke Sponagel

Die andere Seite der Medaille – rohes Bürgertum?

05. Apr 2011

Eine Medaille hat immer zwei Seiten, heißt es. Die eine ist der burnout und ähnliche Ausfallerscheinungen: Gerade melden wieder einige Nachrichtenhändler,  das Erschöpfungs-Syndrom sei nach  Einschätzung der Gewerkschaft Verdi auf dem Vormarsch, jeder vierte im Bankenbereich leide darunter. Die andere Art, auf Leistungsdruck im Beruf und gefühlte Sinnlosigkeit zu reagieren, ist die Umkehr nach Außen, in Form von Aggression.

Wut und aufgestaute, sich unvermittelt entladende Frustrationen haben viele Gesichter: Marodierende Jugendbanden, anonyme Müllberge an sogenannten sozialen Brennpunkten. Mobbing an Schulen und in Unternehmen. Rowdietum und Regelbruch im Straßenverkehr. Die automobile Menschheit rüstet auf, der gefragteste Autotyp ist der SUV und seine Abkömminge: Eine Trutzburg auf Rädern, bestens geeignet, sich „den Weg frei“ zu fahren und von oben auf andere herab zu schauen.

Die Sozialwissenschaft hat für diese Entwicklungen neue Bezeichnungen gefunden. Es sei eine bestimmte Gesellschaftsschicht, von der diese Art von Menschenfeindlichkeit ausgehe, sagt Prof. Wilhelm Heitmeyer vom Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konfliktforschung. Er nennt sie „rohes Bürgertum“.  Passenderweise ist ein Artikel in der Süddeutschen  dazu mit gelegentlich erscheinender Burger-Werbung illustriert…  ob das  auch rohe Burger sind?

Aber Scherz beiseite:  Wenn man da weiterdenkt, vergeht einem das Lachen.  Da helfen nur ganz gezielte Immunisierungs-Strategien. Oder kollektives Runterschalten.

Mehr psychisch Kranke laut DAK Gesundheitsreport

24. Mrz 2011

Nur eine Randnotiz in der allgemeinen Nachrichtenlage ist momentan der im Februar erschienene DAK-Gesundheitsreport wert. Die Ergebnisse allerdings sollten Menschen, die runterschalten wollen, bestärken und in Unternehmen die Alarmglocken läuten lassen: Bei sonst gleichbleibendem Krankenstand steigen die psychischen Erkrankungen hierzulande drastisch. Ein Armutszeugnis für die Arbeitsbedingungen in einem reichen Land. Mehr dazu hier.