‘Stress’

Ärzte ohne Grenzen – ohne Leistungsgrenzen?

18. Feb 2012

Bei manchen Jobs ist die chronische Überlastung schon ins Berufsbild implantiert, scheint es. Die Überlastung ist „normal“ geworden und dennoch wird höchste Qualität erwartet – so jedenfalls geht es Ärzten, besonders den jungen. Schon vor 11 Jahren stand im Schlussprotokoll der 104. deutschen Ärztetags in Ludwigshafen zu lesen:

Die Situation junger Ärztinnen und Ärzte in den deutschen Krankenhäusern ist bedrückend  [...] Auf Grund der Angst vor dem Verlust des Arbeits- und Weiterbildungsplatzes oder vor gravierenden Nachteilen für die berufliche Zukunft lehnen sich betroffene Ärztinnen und Ärzte kaum gegen diese Ausbeutung auf. Klaglos wird hingenommen, dass eine Unzahl von Überstunden vielfach weder bezahlt noch durch Freizeit ausgeglichen wird. Als Folge der Angst vor Repressalien werden oft sechzig bis siebzig Arbeitsstunden in der Woche stillschweigend geduldet. Muss jeder LKW-Fahrer vor Antritt einer Fahrt eine Tachoscheibe einlegen und mit Bestrafung rechnen, wenn vorgeschriebene Lenkzeiten und Ruhepausen nicht eingehalten werden, werden von den Verantwortlichen im Krankenhaus arbeitszeitrechtliche Vorschriften gerade dort mit Füßen getreten, wo durch Stress und Müdigkeit die Versorgung und Betreuung der Patienten gefährdet werden können – nämlich bei den jungen Krankenhausärztinnen und -ärzten. So hat eine Studie ergeben, dass das Reaktionsvermögen eines Arztes nach ununterbrochener Arbeitszeit von 24 Stunden dem eines Autofahrers mit einem Blutalkohol-Spiegel von einem Promille entspricht. Wer aber möchte sich schon von einem “Angetrunkenen” operieren lassen?“

Deutliche Worte, und offenbar hat sich seither nichts geändert.

Durch meine Klienten habe ich schon hinter die Kulissen von so manchem Unternehmen blicken können.  Nie kam mir so das kalte Grausen wie bei den Berichten von Fachärzten aus Kliniken. Mal abgesehen von den immer schlimmer werdenden strukturellen Problemen herrscht seitens der leitenden Ärzte oft eine Art Kasernenton vor. Unbedingter Gehorsam ist gefordert. Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit gelten als k.o.-Kriterium für die Karriere. Wer sich eine OP nicht zutraut, weil er vielleicht noch nicht die Erfahrungswerte hat, wird zu Putzdiensten abkommandiert.

Es ist ja bekannt, dass Ärzte berufsbedingt weniger Empathie haben als andere Berufsgruppen. Sonst könnten sie ihren Job wohl nicht machen. Aber dass Menschen und besonders junge Kollegen so etwas nicht Operables wie natürliche Leistungsgrenzen haben, sollte sich in diesen Kreisen vielleicht doch mal rumsprechen.

Neuer Ratgeber über work-life-balance von ZEIT Wissen Ratgeber

08. Okt 2011

 

Zum Glücklichsein will man uns schon nicht mehr anleiten, aber doch zum besseren Leben. So jedenfalls lautet der Titel des aktuellen „Zeit Wissen Ratgebers“. Das 120 Seiten starke Magazin bietet unter den Überschriften Arbeiten, Leben und Service einen gelungenen Überblick zu vielen Fragen, die dem modernen Sinnsucher unter den Nägeln brennen, etwa:

Was kann eine berufliche Neuorientierung mir bringen? Wie vereinbare ich Kinder und Karriere? Darf ich auch mal nichts tun? Wie schütze ich mich vor zuviel Stress bzw. burnout?

Dazu gibt es im Serviceteil Wissenswertes zu arbeitsrechtlichen Inhalten, über Perfektionismus, Medizin und Psychologie. Empfehlenswert.

Burnout überall, auch im Spiegel.

03. Aug 2011

Im April diesen Jahres machte das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ mit dem Thema „Burnout“ auf.  Das Titelbild zeigte wahlweise einen männlichen oder eine weibliche Burnout-Kandidat/in im Spiegel-Kasten eingekerkert.

Gerade drei Monate später kam im Juli, also gerade noch erinnerbar für alle im Hamsterrad, der neue Titel über Burnout-Prävention. Und logisch: Da waren die Titelfrauen bzw -. Männer am Herauskrabbeln aus dem Kasten.

Mehr dazu hier.

Grosses Medienecho: Leistungsdruck im Beruf, Stress, Burnout

14. Feb 2011

Hören Sie das? Es rauscht gerade im Medienwald zu einem der Hauptgründe fürs downshifting, dem steigenden Leistungsdruck am Arbeitsplatz. Vor kurzem machte der Spiegel mit dem Thema „Burnout-Syndrom“ auf , auch die “Brigitte” berichtete dazu .

 Heute abend nun beginnt die ARD eine dreiteilige Dokumentation mit dem Titel „Deutschland unter Druck“. Dabei geht es zunächst um den Leistungsdruck bei Kindern, am Mittwoch sind „die getriebenen Erwachsenen“ dran  und am Donnerstag schliesslich „die verunsicherten Alten.“

Sehr begrüssenswert, dass so der öffentliche Diskurs zu diesen Fragen neue Impulse bekommt. Bestimmt sehenswert für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, runterzuschalten. Und vielleicht steckt ja auch ein Funken drin, der unsere Riesenpötte von Unternehmen zum Umlenken bringt: Denn auch Unternehmen sollten endlich Konzepte entwickeln, „nachhaltig“ und „wertschätzend“ mit dem angeblich größten Kapital umzugehen, das sie haben: Dem „Humankapital“.

Nochmal: burnout

24. Jan 2011

Gerade erreicht mich der Hinweis auf einen ganz frischen Artikel zum Thema burnout und das Verbrennen von Potentialen in der Wirtschaft bei SPIEGEL online, hier.

Bevor der Körper runterschaltet: Männer, achtet auf Euch!

19. Jan 2011

 

Angeblich achten Männer mehr auf ihre Autos als auf sich selbst –  Wartungsintervalle werden scheckheftgenau eingehalten, Arzttermine jedoch verbaselt. Das Klischee, über das ich auch in meinem Buch „Runterschalten“ schreibe, wurde unlängst  (Okt. 2010) durch den ersten Männergesundheitsbericht bestätigt. Demnach haben Männer vermehrt Stress im Berufsleben, neigen mehr als Frauen zu Nikotin-, oder Alkoholabhängigkeit und achten nicht auf ihre Ernährung. Im Bericht heißt es, der gesellschaftliche Blick auf Männer müsse sich ändern… meine Rede! Zu oft geben sie den „starken Mann“, der keine Schwächen zeigen darf, bis der Körper die Notbremse zieht .. . näheres dazu lesen Sie in meinen Kapiteln über die Schiffbruchkompetenz.