Kurzinterview

6 Fragen an Wiebke Sponagel

Wie würden Sie „Runterschalten“ definieren?

Runterschalten ist ein individueller Weg zu einem selbstbestimmteren Leben.

Die meisten meinen ja, das hätte mit Total-Ausstieg zu tun – ich nicht. Mich fragte mal ein Journalist, ob ich ihm nicht für eine Downshifting-Geschichte einen Top-Manager vermitteln kann, der jetzt Schäfer ist… da musste ich passen.

Alle meine Runterschalt-Klienten „arbeiten“ nach wie vor und leisten ihnen gesellschaftlichen Beitrag. Sie hausen nicht in Hütten, sie leben nicht von Wurzeln. Und sie können auch noch „hochschalten“. Sie sind beweglich geblieben.

Haben Sie selbst runtergeschaltet?

Ja und Nein. Als ich mit PERSPECTIVE COACHING im Jahr 2000  begann, war der Begriff „Runterschalten“ oder „Downshifting“ noch nicht so verbreitet. Damals hätte man den Schritt vom Angestellten-Dasein in die Selbstständigkeit einfach als Umorientierung bezeichnet. Natürlich brauchte ich dazu all das, was ich in meinem Buch beschreibe: Mut, Ausdauer, gute Vorbereitung, Drift-und Steuerfähigkeit und Schiffbruchkompetenz. Ich arbeite jetzt auch nicht weniger, aber zufriedener.

Warum haben Sie dieses Buch geschrieben?

Um reich und berühmt zu werden? (lacht).  Natürlich, auch das!

Aber hauptsächlich, um Menschen, die runterschalten wollen, den Rücken zu stärken. Bei meinen Beratungen fällt mir auf, dass viele es gern probieren würden, aber sie zögern: Sie fragen sich, ob sie  das überhaupt dürfen, ob sie damit nicht zu Eigenbrötlern abgestempelt werden. Genau mit diesem Vorurteil möchte ich aufräumen. Die Botschaft lautet: Sie sind nicht allein – vielen gelingt das Runterschalten und sie finden auch Anerkennung dafür. Deshalb bringe ich in dem Buch auch Interviews mit Menschen, die diesen Prozess erfolgreich hinter sich gebracht haben.  Da sieht der Leser: Das Runterschalten kann er selbst steuern, er kann selbst dosieren, ob er im vertrauten Job bleiben will oder eine andere, selbstbestimmtere Arbeit anstrebt. Wer das konsequent macht, ist am Ende überzeugt von seinem Gewinn und hat die Anfangsskrupel längst vergessen.

Wie ist das Buch aufgebaut?

In einen Theorie- und in einen Praxisteil. Am Anfang beschreibe ich, wie es dazu kommt, dass Menschen runterschalten wollen: Ich nenne es das „Leben in Echtzeit“, das von  uns  immer mehr Schnelligkeit und Vereinheitlichung fordert. Dann weiter zu dem, was man braucht, um runterzuschalten: Steuer-, und Driftfähigkeiten, Schiffbruchkompetenz und eine gute Selbstkenntnis.  Dazu liefere ich Übungen, die diese Fähigkeiten unterstützen und den Leser herausfinden lassen, was wirklich für ihn oder sie wichtig ist. Zum Schluss noch der Interview-Teil, in dem Runterschalt-Lebensläufe dargestellt werden und Personaler sich zu dem Thema äußern. Außerdem nützliche Links und Literaturhinweise.

Wie haben Sie es geschafft, das Buch zu schreiben? Haben Sie beruflich runtergeschaltet, um Zeit dafür zu haben?

Nein. Ich war nur für ein halbes Jahr ziemlich unsozial zu meinen Freunden, weil ich die Wochenenden zum Schreiben brauchte. Außerdem habe ich mir einen Tag in der Woche von Außenterminen freigehalten, da habe ich auch geschrieben. Ich hatte Schreibziele – bestimmte Seitenzahlen, die an einem bestimmten Datum erreicht sein mussten. Mein Mann hat mit strengem Blick meine Fortschritte überwacht und eine kritische Erstleserin hatte ich auch… rückblickend war das also gar nicht so schwer!

Können Sie einen allgemeinen Tipp geben für Menschen, die runterschalten wollen?

Ja: Finden Sie heraus, was Sie wirklich wollen und können – und tun Sie es!

Die Fragen stellte Ulrike Stehling von x7 – webdesign and more.